Seife: Die wohl älteste Chemikalie der Welt

"2010 Anudze, Cevennes, France (2)" by Donar Reiskoffer - Own work. Licensed under CC BY 3.0 via Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:2010_Anudze,_Cevennes,_France_(2).jpg#/media/File:2010_Anudze,_Cevennes,_France_(2).jpg

Als vor einigen Monaten die Ebola-Epidemie die Welt beschäftigte, sah ich einen Bericht über Helfer, die in Westafrika Aufklärungsarbeit über die Krankheit leisteten. Was mich zunächst überraschte war, dass sie jedem den sie die Krankheit erklärten, ein Stück Seife gaben. Die Gründe dafür liegen auf der Hand und es erinnerte mich eindrucksvoll an die Bedeutung von Seife für unsere Kultur. Und besonders im Zeitalter von weltweiten Pandemien gewinnt das einfache Händewaschen (das garnicht so einfach ist) an besonderer Bedeutung.

Die älteste Beschreibung von Seife stammt von den Sumerern und datiert auf das dritte Jahrtausend vor Christus zurück. Im Altertum kochte man Fett mit Pflanzenasche, und heute funktioniert es im Grunde nicht anders. Man kann jedes Fett nehmen, ganz egal ob tierisch oder pflanzlich. Statt der Pflanzenasche wird inzwischen aber die wirksamere Natronlauge verwendet. Wenn die Lauge mit dem Fett reagiert, werden Ester-Bindungen gespalten und man erhält die Seife und Glycerin. Diese Reaktion ist so bedeutend, dass in der Chemie jede Spaltung von Estern mit Lauge „Verseifung“ heisst – egal ob man dabei wirklich Seife herstellt oder nicht. Man kann Seife auch sehr einfach selbst herstellen.

Seife hilft beim Waschen, weil sie „Löslichkeit“ zwischen dem Schmutz und dem Wasser vermittelt. Sie besteht aus langen kettenförmigen Molekülen, die an einem Ende wasserlöslich sind. Die Kette selbst ist fettlöslich. Im Waschwasser ordnen sich die Ketten zu Kugeln an, so dass die wasserlöslichen „Köpfe“ nach aussen zeigen. Schmutz der sich nicht im Wasser auflöst, wird dabei von diesen Kugeln „eingekapselt“ und kann dann abgespült werden.

Mizellen können Schmutzteilchen in ihrem Inneren einkapseln, sind selbst aber wasserlöslich.
Mizellen können Schmutzteilchen in ihrem Inneren einkapseln, sind selbst aber wasserlöslich.
Bild: NIH Center for Macromolecular Modeling & Bioinformatics

Moderne Seifen oder Duschgele werden zwar meistens anders hergestellt und haben eine stärkere Waschkraft, funktionieren aber grundsätzlich nach dem selben Prinzip. Ein großer Vorteil des Seifenstücks ist aber seine Effizienz. Duschgele und Flüssigseifen sind bereits in Wasser „vor“-gelöst. Das ist praktischer, aber man kauft dieses Wasser immer mit. Und man verliert beim Duschen immer einen Teil des Duschgels bevor es wirklich an den Körper gelangt (böse Zungen behaupten, das wäre ein Trick der Hersteller um mehr zu verkaufen). Ein Stück Seife reicht in der Regel auch viel länger als die praktische Flüssigseife aus dem Spender, und kostet dabei auch vergleichsweise deutlich weniger Geld.

Die Bedeutung dieser kleinen seifigen Blöcke in der Bekämpfung von Krankheiten kann man wohl nicht hoch genug schätzen. Und wenn man bedenkt, dass die Menschheit seit mindestens 4000 Jahren über diese Technik verfügt, kann man Seife durchaus als eine bedeutende Kulturleistung bezeichnen.

Titelbild: Donar Reiskoffer[GFDL, CC BY 3.0] / Wikimedia Commons

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