Die chemische Blogosphäre

Quelle: Tim Reckmann / pixelio.de

Es gibt viele Blogs über Wissenschaft. Sogar so viele, dass es im deutschsprachigen Raum zwei Portale gibt, die solche Blogs bündeln (Scilogs und Scienceblogs). Als ich mit dem Chemischen Reporter begann, war meine Idee natürlich über mein Fach – die Chemie – zu schreiben und darüber, was in der aktuellen chemischen Forschung so passiert. Normalweise läuft vieles nämlich in ziemlich geschlossenen Fachkreisen ab und ist sehr kryptisch geschrieben (bzw. streng formalisiert). Forschung Aktuell im Deutschlandfunk ist die einzige Sendung die ich spontan nennen könnte, in der manchmal über Neuigkeiten aus der Chemie berichtet wird. Das finde ich schade, und so entstand die Idee zu diesem Blog. Meine Annahme war, dass dieser Blog sich damit in die Community der Chemie-Blogs einfügt und eine kleine Nische hat.

Als ich mich dann nach den anderen Chemie-Blogs umsah, konnte ich kaum glauben, dass es nahezu niemanden gibt, der allgemeinverständlich über Chemie schreibt. Florian Freistetter bemerkte bereits vor einigen Jahren, dass populärwissenschaftliche Bücher über das Fach fehlen und dass es ein klares Defizit in diesem Fach gibt, Wissen anschaulich zu vermitteln. Vielleicht steckt die Chemie hier in einem Teufelskreis: Wir Chemiker nehmen an, dass die Leute uns eh nur für verrückte Sprengmeister und Giftmischer halten die Sachen machen, die sonst niemand versteht. Deshalb zeigen wir ihnen dann auch genau die Explosionen und bunten Farben, aber erklären wenig darüber hinaus. Dass die Öffentlichkeit das aber garnicht unbedingt so sieht, kam im Juni diesen Jahres heraus und war sehr überraschend.

689466_web_R_B_by_Tim Reckmann_pixelio.de
Bunt, gefährlich und niemand versteht es – es ist tatsächlich sehr einfach, sich hinter diesem Klischee zu verstecken. Bild: Tim Reckmann / pixelio.de

Ich denke, die Öffentlichkeit betrachtet die Chemie mit einem „freundlichen Desinteresse“. Chemie ist irgendwie schon wichtig und vielleicht auch manchmal interessant, aber so verdammt kompliziert und schwierig. Professor Andrea Seller hat recht wenn er sagt, dass das für jede Wissenschaft gilt. Aber die Chemie schafft es offenbar nur schwer, mehr als „Knall“ und „Peng“ und bunte Farben nach aussen zu kommunizieren. Damit möchte ich natürlich nicht die harte Arbeit der Chemiedidaktik klein reden, die genau dort ansetzt und Großartiges leistet.

Durch den Aufruf Florian Freistetters habe ich inzwischen ein anderes Blog gefunden, das ebenfalls Chemie verständlich vermitteln will: Das Blog Banana-Bond von Ole beschreibt sehr gut, wie korrekt die Chemie im Tatort dargestellt ist, oder wie vielseitig Eis sein kann. Ich würde mir wünschen, dass sich noch weitere Chemiker finden, die über die spannende Wissenschaft schreiben.

Titelbild: Tim Reckmann / pixelio.de

2 Kommentare

  1. Juhu! – Es gibt sie doch, die anderen Chemieblogger! 🙂

    Als ich im mein Blog „Keinsteins Kiste“ mit Geschichten aus Natur und Alltag vom Stapel liess, glaubte auch ich mich allein in dieser Nische. Um so mehr freue ich mich, dank des Aufrufs von Florian Freistetter auf dich (und damit auch auf Ole von Banana-Bond) gestossen zu sein.

    Ich freue mich schon auf die inspirierende Lektüre des chemischen Reporters (in der letzten Zeit bin ich leider nicht sonderlich viel zum Lesen gekommen) – und möglicherweise auch einen aktiven Austausch?

    Viele Grüsse,

    Kathi

    • Hallo Kathi, ich freue mich, dass du Ole und mich gefunden hast und dass es noch einen Chemieblogger gibt!
      Ich habe dich direkt in meine Blogroll aufgenommen und fand deine Artikel zur Chemie auf den ersten Blick enorm ansprechend. Ich glaube, ich freue mich ebenso auf eine spannende Lektüre 🙂
      Über einen aktiven Austausch würde ich mich genauso freuen!

      Liebe Grüße, Marco

Kommentar verfassen