Chemie ist… Trinkwasser!

Trinkwasser. Quelle: Günter Havlena / pixelio.de

Im zweiten Teil der Reihe darüber was eigentlich alles Chemie ist, geht es um Wasser. Genauer gesagt um Trinkwasser, da es genügend Texte über all die Anomalien und besonderen Strukturen von H2O gibt. Diese sind natürlich sehr faszinierend und ein wichtiger Grund dafür, dass das Leben auf der Erde so existiert, wie es ist. Im Alltag ist aber Wasser nicht gleich Wasser und viel mehr als nur die Formel „H2O“! Das Wasser das wir im Alltag trinken, lässt sich im Wesentlichen in drei Kategorien einteilen, je nach dem Gesetz das ihre Qualität reglementiert:  Trinkwasser, Tafel-/Mineralwasser und Heilwasser.

Wasser ist nicht gleich Wasser

Trinwasser fliesst aus einem Wasserhahn in ein Glas
Belebt, erfrischt und kann Dehydratisierung vorbeugen: Trinkwasser. Bild: Klaus Ohlenschläger [CC BY-SA 3.0] / Wikimedia Commons
Trinkwasser ist das was aus unserem Wasserhahn kommt und in Deutschland der Trinkwasserverordnung unterliegt. In Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und in den Niederlanden ist Trinkwasser das am intensivsten kontrollierte Lebensmittel! Der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist ein Luxus auf den wir sehr stolz sein können. Als mich vor einigen Jahren auf einer Konferenz eine US-Amerikanerin fragte, wo man denn den Wasserspender finden kann, habe ich ihr erklärt, dass es keinen gibt und sie einfach Leitungswasser trinken könnte. Sie hatte offenbar trotzdem ein Tafelwasser aus der PET-Flasche bevorzugt. Ich weiss, dass viele Leute das Sprudel aus dem Supermarkt lieber trinken als schnödes Leitungswasser, aber ist es wirklich besser?

Das Wasser das wir in Flaschen kaufen unterliegt in Deutschland nicht der Trinkwasserverordnung, sondern der Mineral- und Tafelwasserverordnung. Tafelwasser enthält nämlich Trinkwasser aus der Leitung, und damit ist die Trinkwasserverordnung auch schon erfüllt. Zur Herstellung von Tafelwasser wird Leitungswasser je nach Wunsch mit Kohlensäure und Mineralien versetzt und in Flaschen abgefüllt. Je nach Herstellungsort kauft man mit Tafelwasser also speziell aufbereitetes Leitungswasser einer anderen Stadt. Damit zählt Tafelwasser zu den Erfrischungsgetränken, ähnlich wie Cola oder Limonade.

Mineralwasser kommt im Gegensatz zum Tafelwasser nicht aus der Leitung, sondern immer aus einem Grundwasservorkommen. Man sitzt also gewissermaßen direkt an der „Quelle“ und kann sicher sein, dass ein bestimmtes Mineralwasser auch nur aus der jeweiligen Quelle stammt. Die Grenzwerte für Tafel- und Mineralwasser sind sogar strenger als für Trinkwasser aus der Leitung, allerdings gelten sie nur den Ort der Abfüllung. Zwischen dem Abfüllen der Flasche und dem ersten Schluck kann sich das Wasser natürlich verändern und hat deswegen auch ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Beim Leitungswasser dagegen gelten die Grenzwerte für den Ort der Entnahme, also für den Wasserhahn beim Verbraucher.

Eine Heilwasserquelle in Karlsbad (Karlovy Vary). Quelle: By Filip Maljkovic (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons
Eine Heilwasserquelle mit deutlichen  Eisenablagerungen in Karlovy Vary (Karlsbad). Bild: Filip Maljkovic [Public domain] / Wikimedia Commons
Ein spezieller Fall ist Heilwasser, denn das unterliegt zwar ebenfalls der Gesetzgebung für Mineralwasser, gilt aber gleichzeitig als Arzneimittel. Der oft sehr gewöhnungsbedürftige Geschmack von Heilwassern liegt natürlich an den Besonderheiten der Quelle. Das Heilwasser aus Karlovy Vary (Karlsbad) enthält zum Beispiel in einem Liter etwa 93 Milligram Kalium – das ist fast die hundertfache Menge als in einem namhaften Mineralwasser aus den französischen Alpen. Zusätzlich zu den ungewöhnlichen Salzmengen enthält das Heilwasser auch Metalle wie Eisen, Kupfer und Strontium, sowie eher unübliche Halogene wie Fluorid und Bromid. Und es enthält auch eine kleine Menge Arsensäure! Man sollte Heilwasser daher wirklich wie eine Arznei sparsam verwenden.

Sprudelnd oder still?

Viele Menschen bevorzugen Sodawasser, das mit Kohlenstoffdioxid angereichert ist. Das Wort „Kohlensäure“ wird auch synonym benutzt, aber die entsteht nur zu einem kleinen Teil (etwa 0,2 %) wenn sich Kohlenstoffdioxid in Wasser löst. Damit sich auch eine wirklich nennenswerte Menge lösen kann, wird das Kohlenstoffdioxid mit viel Druck in das Wasser gepresst. Öffnet man die Flasche mit dem Sprudelwasser dann wieder, sinkt der Druck in der Flasche und das Kohlenstoffdioxid entweicht aus dem Wasser. So entstehenden die perlenden Bläschen. Sprudelwasser enthält oft auch basische Carbonate, weshalb es einen leicht alkalischen Geschmack hat, der zu dem perlenden Trinkerlebnis dazu kommt. Paradoxerweise enthält Sprudelwasser also eine Säure und ist gleichzeitig alkalisch, weshalb man diese Wasser manchmal auch „alkalische Säuerlinge“ nennt.

Härtebildner und Weichmacher

Kalkablagerungen sind unansehnlich und können das Material beschädigen. Quelle: Dschwen [CC BY-SA 2.5 http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5] / Wikimedia Commons.
Kalkablagerungen sind unansehnlich und können das Material beschädigen. Bild: Dschwen [CC BY-SA 2.5] / Wikimedia Commons
Bei unserem kühlen Nass gibt es also große Unterschiede in den gelösten Stoffen. Einige von ihnen sind besonders nervig, denn sie sind für die schwer löslichen Kalkreste verantwortlich, die Wasserhähne verstopfen und Wasserkocher mit der Zeit unansehnlich werden lassen. Besonders wenn man Wasser erhitzen möchte, kann zuviel Kalk zum Problem werden: er leitet nämlich Wärme nur sehr schlecht. Die hässlichen Ablagerungen blockieren also auch noch die Wärmezufuhr, was zu Überhitzungen und Schäden am Gerät führen kann. Meistens „sprengt“ sich der Kalk irgendwann ab und schwimmt dann unansehnlich im Wasser herum. Die Menge der kalkbildenden Salze bestimmt die „Härte“ des Wassers – je mehr Magnesium und Calcium enthalten sind, umso „härter“ ist das Wasser. Abhilfe schaffen hier Filter, die das Wasser enthärten, oder eine gelegentliche Reinigung von Wasserhahn und Wasserkocher mit einem Kalkentferner. Essig oder Essigessenz reicht übrigens aus um den Kalk zu zersetzen. So schont man seine Geräte – und Kaffee und Tee schmecken angeblich am besten wenn das Wasser „weich“ ist. Oder man kauft sich einfach in Flaschen das Wasser das man mag, denn das hat ja auch eine hohe Qualität und wenig Verunreinigungen, richtig?

Das stimmt, aber nur für die schweren und zerbrechlichen Glasflaschen. Plastikflaschen sind zwar robuster und leichter, aber sie enthalten oft Zusatzstoffe, die in das Wasser abgegeben werden können. Besonders unbeliebt ist das Bisphenol A (BPA) das als Weichmacher verwendet wird und im Verdacht steht, wie ein Hormon zu wirken. In PET-Flaschen wird BPA zwar nicht eingesetzt, aber dafür kann in ihnen schädliches Acetaldehyd enthalten sein.

Wasser ist also ein sehr komplexes Gut und genau deswegen wird es auch so streng überwacht. Und immerhin, die Lebensmittelskandale der letzten Jahre in Deutschland zeigen, dass die hohe Qualität unseres Trinkwasser keine Selbstverständlichkeit, sondern eine große Errungenschaft ist.

Titelbild: Günter Havlena / pixelio.de

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