Ist Glyphosat nun krebserregend oder nicht?

Unkrautvernichtung. Bild: SCHAU.MEDIA / pixelio.de
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Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat darf für weitere sechs Monate auf Feldern der EU eingesetzt werden. Glyphosat ist das am häufigsten eingesetzte Herbizid der Welt und auch bekannt unter dem Markennamen „RoundUp“ in Verbindung mit Glyphosat-resistenten genverändertem Soja („RoundUp-ready“). Das Prinzip ist eigentlich ein tolles Beispiel dafür, dass die chemische Industrie immer weniger die bloßen Chemikalien verkauft, sondern Lösungen für Probleme: Man pflanzt das genveränderte Soja an und kurz vor der Ernte versprüht man Glyphosat auf dem Feld. Dabei stirbt alles, bis auf das Soja das dank seines veränderten Erbguts eben resistent gegen das Pestizid ist. Die Ernte wird damit deutlich erleichtert. Aber auch ohne Gentechnik ist Glyphosat sehr praktisch, weil man auch vor dem eigentlichen Anpflanzen damit alle Unkräuter beseitigen kann und weniger Pflügen muss. Das spart Zeit und Geld. Deshalb ist Glyphosat in der Agrarwirtschaft so beliebt.

Sohabohnenernte in Michigan. Bild: By Jake was here [Public domain] / Wikimedia Commons
Ob mit oder ohne Gentechnik: der Anbau von Soja wird durch Glyphosat deutlich erleichtert.
Bild: Jake was here [Public domain] / Wikimedia Commons
Seit langer Zeit gibt es aber die Diskussion darüber, wie gefährlich dieses Pestizid eigentlich für den Menschen ist. Da die EU-Zulassung für den Unkrautvernichter dieses Jahr ausläuft, wurde das Risiko neu bewertet um zu entscheiden ob die Zulassung verlängert wird. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehört, hat das Pestizid als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ einstuft. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kommt allerdings zu einem ganz anderen Ergebnis, nämlich dass Glyphosat bei korrekter Anwendung nicht gefährlich ist.

Was stimmt nun? Die Kritik am BfR, dass dort nicht alle Studien des Unkrautvernichtungsmittels berücksichtigt wurden, klingt hart. Die Rechtfertigung des BfR, dass es verpflichtet ist nur den reinen Wirkstoff zu untersuchen ist aber plausibel. Und hochproblematisch! Denn selbst wenn reines Glyphosat nicht krebserregend ist, kann es in Kombination mit Beimischungen durchaus gefährlich sein, was das Krebsrisiko gut erklären würde, das die WHO vermutet.

von Originally from U.S. Army Operations in Vietnam R.W. Trewyn, Ph.D. , (11) Huey Defoliation National Archives: 111-CC-59948, originally found in Box 1 Folder 9 of Admiral Elmo R. Zumwalt, Jr. Collection: Agent Orange Subject Files. (Item Number: VA042084) [Public domain], via Wikimedia Commons
Auch ein Herbizid, das für sich alleine ungefährlich für den Menschen ist: Ein US-Helikopter versprüht Agent Orange in Vietnam. Unter den Schäden der giftigen Verunreinigung TCDD leiden noch heute tausende Vietnamesen. Bild: U.S. Army Operations [Public domain] / Wikimedia Commons.
Einen etwas makaberen Vergleich liefert das Herblzid „Agent Orange“, das von den US-Streitkräften während des Vietnam-Kriegs massenhaft eingesetzt wurde. Agent Orange ist für Menschen nicht schädlich – das Dioxin TCDD aber schon, das in der Herstellung mit entsteht und mit versprüht wurde. Tausende Vietnamesen leiden bis heute darunter, ohne eine Entschädigung der USA zu bekommen. Ironischerweise ist die Firma Monsanto an der Herstellung beider Herbizide )involviert – bei Glyphosat unter dem Namen „RoundUp“ mit dem dazu passend genverändertem Soja, und auch bei Agent Orange in Zusammenarbeit mit der Bayer AG.

Ich gehe davon aus, dass das BfR mit aller Sorgfalt eine fundierte Bewertung des Risikos von Glyphosat angefertigt hat. Ich vermute aber stark, dass diese Bewertung wenig mit den Produkten zu tun hat, die tatsächlich auf unseren Feldern landen. Statt der Frage ob Glyphosat krebserregend ist oder nicht, sollte die Frage lauten ob glyphosathaltige Herbizide krebserregend sind oder nicht. Genau diese Frage wurde von der WHO auch beantwortet. Das BfR hat dagegen eine ganz andere Fragestellung behandelt. Dass die beiden Institutionen zu verschiedenen Ergebnissen kommen, ist also nicht so ungewöhnlich.

Titelbild: SCHAU.MEDIA / pixelio.de

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