Schmerz lass nach! Was hilft wirklich gegen den Kater?

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

Im neuen Jahr meldet sich Der Chemische Reporter zurück mit neuer Adresse und einem neuen Layout! Die Feiertage sind überstanden, die letzten Feuerwerkskörper wurden verballert und die Weihnachtsdekoration wird langsam wieder abgebaut. Nach einer anständigen Silvesterfeier begann das neue Jahr für viele sicher mit einem mächtigen Kater, inklusive der Kopfschmerzen. Glücklicherweise leben wir in einer Zeit, in der man gegen Schmerzen einfach eine Tablette nehmen kann. Aber welche hilft am besten?

Viele Medikamente – wenige Wirkstoffe

Die „großen Drei“ unter den rezeptfreien Schmerzmitteln. Alles andere gibt es nur vom Arzt.

Es gibt tausende rezeptfreie Schmerzmittel, und viele Konsumenten schwören auf ganz bestimmte Marken. Auf DRadio Wissen wurde diese Woche in einem Gespräch mit dem Arzt, Apotheker und Herausgeber der unabhängigen Fachzeitschrift Arznei-Telegramm Wolfgang Becker-Brüser die Undurchsichtigkeit des Schmerzmittel-Marktes diskutiert. Tatsächlich gibt es hauptsächlich drei relevante Wirkstoffe auf dem Markt: Acetylsalicylsäure (auch als „ASS“ abgekürzt), Ibuprofen und Paracetamol. Dabei macht es keinen Unterschied ob die Acetylsalicylsäure von Bayer hergestellt wurde und „Aspirin“ auf der Packung steht, oder ob die selbe Substanz als sogenanntes „Generikum“ von einer anderen Firma hergestellt wurde, die einen anderen Namen auf die Packung druckt – der Wirkstoff ist und bleibt der selbe.

Für jeden der drei Schmerzlinderer gibt es verschiedene Situationen, in denen man ihn nicht nehmen sollte: Acetylsalicylsäure verdünnt das Blut und sollte daher nicht benutzt werden wenn man Blut abgenommen bekommt, operiert wurde, oder sich verletzt hat. Sowohl ASS als auch Ibuprofen sind nicht zu empfehlen bei Magen-/Darmproblemen; und Paracetamol ist keine gute Idee bei einer geschädigten Leber.

Kombipräparate: Was braucht man wirklich?

Wenn es unter den rezeptfreien Schmerzmitteln nur so wenige verwendete Wirkstoffe gibt, müsste also jedes Pharmaunternehmen im Grunde nur ein paar Produkte auf den Markt werfen, zwischen denen es von Hersteller zu Hersteller auch keinen Unterschied gäbe. Aber allein für den Wirkstoff ASS der Marke „Aspirin“ gibt es acht verschiende Versionen:

  • als Tablette zum Schlucken in zwei Dosierungen (500 mg und 1000 mg),
  • als Tablette zum Kauen,
  • als Brausetablette,
  • als Pulver zum Anrühren,
  • als Erkältungsmittel mit Pseudoephedrin,
  • als „Kater-Tablette“ mit Coffein
  • und als magensaftresistente Form für die blutverdünnende Wirkung.

Man kann bei einem Kater aber auch einfach eine Kopfschmerz-Tablette nehmen und einen Kaffee trinken. Oder bei einer Erkältung ein abschwellendes Nasenspray zusätzlich zum Schmerzmittel verwenden (die meisten machen das sowieso). Wolfgang Becker-Brüser hat natürlich recht wenn er angibt, dass es auch besser ist, das Mittel zum Abschwellen der Nasenschleimhäute lieber direkt in die Nase zu sprühen.

Mit körperverwandtem Baustein oder ohne?

Die Pharmaindustrie möchte aber natürlich dennoch ganz viel Profit erwirtschaften uns für verschiedene Situationen die passende Lösung anbieten. Die Kombipräparate und verschiedenen Darreichungsformen der jeweiligen Wirkstoffe können also Sinn machen wenn man ungern Tabletten schluckt, oder eben wirklich einen starken Hangover hat und zusätzlich zum Kaffee lieber die richtige „Dröhnung“ möchte. Im Endeffekt ändert es aber nicht das geringste am Wirkstoff.

Bild: I-vista / pixelio.de
Die schiere Zahl der rezeptfreien Schmerzmittel ist überwältigend und verwirrend. Dabei enthalten die meisten die gleichen Wirkstoffe, oder unnötige Zusatzstoffe. Bild: I-vista / pixelio.de

Gleichzeitig werden ständig neue Wege gesucht, die Medikamente noch verträglicher zu gestalten und eine noch schnellere Wirkung zu erzielen. Der Wirkstoff Ibuprofen zum Beispiel wird manchmal mit dem „körperverwandten Baustein Lysin“ kombiniert. Lysin ist eine Aminosäure, aus der im Fall des Ibuprofens (einer Säure) ein Salz gebildet wird. Der Trick ist, dass dieses Salz sich besser in Wasser löst als das Ibuprofen allein und der Wirkstoff so besser vom Körper aufgenommen werden kann. Ähnlich ist das mit vielen anderen Wirkstoffen, deren Name zum Beispiel auf „Hydrochlorid“ endet. Tatsächlich ist das Lysin-Salz des Ibuprofens mein bevorzugtes Kopfschmerzmittel, aber eben auch nur weil ich damit aufgewachsen bin. Das einfach generische Ibuprofen aus der Apotheke wirkt bei mir allerdings genauso gut und vermutlich auch nicht wesentlich langsamer.

In jedem Fall ist es immer ratsam, seinen Apotheker zu fragen, denn jedes Medikament hat Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten. Bei den verschiedenen in Frage kommenden Produkten kommt es am Ende aber immer nur auf den Wirkstoff an und nicht auf die Farbe der Verpackung oder auf das Logo des Herstellers.

Titelbild: Rainer Sturm / pixelio.de

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