Der Fluch der Plastikflasche: Ohne BPA ist nicht unbedingt gesünder

Bild: Christian Seidel / pixelio.de

Plastikflaschen mit dem Hinweis „ohne BPA“ sind nicht unbedingt gesünder als Flaschen aus herkömmlichem Plastik – zu dieser überraschenden Erkenntnis kam eine Gruppe von Forschern aus China und den USA. Der in Verruf geratene Plastik-Zusatzstoff BPA wird oft durch die sehr ähnliche Substanz BPS ersetzt, die offenbar die gleichen Gesundheitsrisiken birgt.

In Tierversuchen beobachteten die Wissenschaftler, dass beide Substanzen die Entwicklung von Zebrafisch-Embryonen stark beeinflussen, wie sie im Fachblatt Endocrinology berichten. Das geschah bereits bei geringen Mengen von BPA und BPS, wie man sie auch in verschmutzten Gewässern findet.

ttt
Egal ob BPA oder BPS: Die beiden Zusatzstoffe aus dem Plastik sind sich sehr ähnlich; sowohl in ihrer Struktur als auch in ihrer biologischen Wirkung.

Dass ausgerechnet Zebrafische als Versuchstiere gewählt wurden liegt daran, dass Zebrafisch-Embryos durchsichtig sind. Dadurch konnten die Wissenschaftler das Wachstum der Nervenzellen der Tiere besonders gut beobachten. „Die Brutzeit beschleunigte sich, sodass es zu verfrühten Geburten kam“, sagte die Forscherin Nancy Wayne über ihre Arbeit. „Die Embryonen entwickelten sich viel schneller als normal wenn BPA oder BPS vorhanden war.“

„Wir sahen viele der selben Effekte mit BPS das in BPA-freien Produkten enthalten ist. BPS ist nicht harmlos.“

BPA ist seit Jahren umstritten, weil es den Hormonhaushalt des Sexualhormons Östrogens beeinflusst. Aber nicht nur das: Das Forscherteam fand heraus, dass sowohl BPA als auch der Ersatzstoff BPS ebenfalls das System der Schilddrüsenhormone der Zebrafische verändern. Die Forscher raten zur Vorsicht, und insbesondere Teamleiterin Prof. Nancy Wayne geht mit gutem Beispiel voran: Seit einer Arbeit über BPA, die sie im Jahr 2008 erstellte, verbannte sie Nahrungsbehälter aus Kunststoff aus ihrem Haushalt und verwendet wenn möglich Glas.

BPA völlig zu vermeiden dürfte aber so gut wie unmöglich sein: Der Zusatzstoff findet sich unter anderem in Plastikbehältern, Kontaktlinsen, Brillen mit Kunststofflinsen, CDs, Wasserleitungen, Kassenbons, Zahnversiegelungen oder auch Verbundstoffen.

Titelbild: Christian Seidel / pixelio.de

1 Trackback / Pingback

  1. BPA zählt zu den "besonders besorgniserregender Stoffen" | Der Chemische Reporter

Kommentar verfassen