Kosmetik: Die Wiederentdeckung der Mizellen

Bild: Sherryphotography [CC BY-SA 4.0] / Wikimedia Commons
Mizellen im Reinigungswasser – wer hätte damit gerechnet!
Mizellen im Reinigungswasser – wer hätte damit gerechnet!

Vor einigen Wochen entdeckte ich in den Regalzeilen der Kosmetikabteilung eines namhaften Discounters ein Produkt namens „Mizellen Reinigungswasser“. Als Otto-Normal-Chemiker war ich verblüfft: Dachte ich doch, dass Mizellen das Wirkprinzip jeder billigen Seife wären, und dass im Deutschen Substantive zusammengeschrieben werden.* Für die Werbe Industrie ist aber beides nicht selbstverständlich.

Teures Waschwasser?

Was Mizellen und die damit einhergehende „Mizellen Reinigungstechnologie“ eigentlich sind, erklärt der Hersteller Garnier auf seiner Produktwebseite:

Bei Mizellen handelt es sich um reinigende Wirkstoffe, die wie ein Magnet wirksam Schmutz und Make-up (auf Gesicht, Augen & Lippen) auf der Haut anziehen und sanft entfernen, ganz ohne Reiben und in nur 1 Anwendung. Gleichzeitig wird die Haut, je nach Hauttyp, beruhigt, mattiert oder mit Feuchtigkeit versorgt.

Bild: Poyraz 72 [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)] / Wikimedia Commons
Magische Schmutzmagneten: Tenside hüllen die Partikel in ihrem wasserabweisenden Inneren ein. Bild: Poyraz 72 [CC BY-SA 4.0] / Wikimedia Commons
Mizellen sind auch der Grund dafür, dass man sauber wird wenn man sich mit Seife wäscht. Seifen gehören zu den Tensiden: Stoffe, die gleichzeitig wasserlöslich und -abweisend sind. Bringt man sie ins Wasser, lagern sie zu kleinen Kugeln zusammen, bei denen der wasserlösliche Teil nach aussen (zum Wasser) und der wasserabweisende Teil nach innen zeigt. Diese Kugeln heissen im Fachjargon „Mizellen“. Schmutz, der sich nicht in Wasser löst, wird bei diesem Vorgang in die Mizellen eingeschlossen und weggewaschen.

Und das teure „Mizellen-Wasser“ aus dem Kosmetikregal? Der Hersteller vergleicht auch sein Mizellenwasser mit Seifenwasser und bemerkt:

Im Gegensatz zu Wasser und Seife, die die Haut nur oberflächlich von Schmutz befreien, entfernt Mizellenwasser als All-in-1-Reinigung ohne großen Aufwand äußere Unreinheiten im Handumdrehen.

Zusammengefasst: Während Mizellen aus Wasser und Seife Schmutz von der Oberfläche der Haut entfernen, entfernt das Mizellenwasser von Garnier den äußeren Schmutz! Eine Hochleistung der Werbetexter. Trotz allem zählt das patentierte Tensid in dem Kosmetikprodukt in der Tat nicht zur Klasse der ordinären Seifen und ist auf der wasserlöslichen Seite in der Tat besonders wasserlöslich. Damit sollte das teure Pflegeprodukt auch effektiver reinigen als bloßes Seifenwasser. Zusätzlich enthält das Produkt neben dem Hauptbestandteil Wasser und dem mizellenbildenden Tensid nur wenig andere Zusatzstoffe – was man von den meisten parfümierten  und konservierten Reinigungsprodukten nicht behaupten kann. Eine Neuheit sind Mizellen aber deswegen nicht.

* Dass die Werbe Treibenden in Wort Konstuktionen den Binde Strich gerne weg lassen ist natürlich ein alter Hut.

 

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