Was hat giftiges Quecksilber in Impfstoffen zu suchen?

Bild: Centers for Disease Control and Prevention (CDC, 8365) [Public domain] / Wikimedia Commons

Dass wir in einer Zeit leben, in der über den Sinn von Impfungen überhaupt wieder geredet werden muss, zeigt wie gut es unserer Gesellschaft gesundheitlich geht – und wie es um die Kommunikation der Wissenschaft in die Öffentlichkeit bestellt ist. Krankheiten, gegen die erfolgreich Impfungen eingesetzt werden, haben ihren Schrecken verloren. Die Pocken sind seit Jahrzehnten ausgerottet und „Kinderkrankheiten“ wie Mumps, Masern und Röteln kennt man eigentlich nur noch aus Geschichten der Eltern oder Großeltern. Und eine Grippe bringt einen doch auch nicht gleich um, oder?

Bild: CDC/NIP/Barbara Rice (ID#: 132) [Public domain] / Wikimedia Commons
Ein Bild aus der Vergangenheit? Durch Impfungen musste sich lange Zeit niemand mehr vor den Masern fürchten. Bild: CDC/NIP/Barbara Rice (ID#: 132) [Public domain] / Wikimedia Commons
Impfungen sind sicher und ratsam. Nicht nur weil man dadurch die Krankheit einfach nicht bekommt und sich (oder seinem Kind) damit viel unnötiges Leid, dauerhafte Schäden oder den Tod erspart, sondern auch weil geimpfte Personen die Krankheit nicht übertragen. Selbst wenn das eigene Kind die Masern unbeschadet überstehen sollte, kann es andere Personen anstecken, die ihrerseits vielleicht nicht so viel Glück haben.

Seit vor 15 Jahren eine Meldepflicht für Masern in Deutschland eingeführt wurde, ging die Zahl der registrierten Fälle deutlich zurück. In den letzten Jahren gab es aber wieder vermehrt Masernausbrüche, die zuletzt im Jahr 2015 ein Todesopfer gefordert haben. Das Robert-Koch-Institut geht sogar davon aus, dass diese Krankheit in den nächsten Jahren in Deutschland wieder endemisch wird. Das ist schon deswegen tragisch weil es seit einem halben Jahrhundert Impfstoffe gegen diese Krankheit gibt und die WHO sogar einmal den Plan hatte, die Masern bis 2010 in Europa auszurotten.

Was den Eltern heute offenbar viel mehr Sorgen macht, als dass ihr Nachwuchs an einer unwahrscheinlichen aber grundsätzlich lebensgefährlichen Krankheit leidet, ist vielmehr der kleine Pieks mit dem ganz sicher in den Organismus und die Gesundheit des Kindes eingegriffen wird. Die Unsicherheit vieler Menschen gegenüber Impfungen wird unter anderem mit dem Argument geschürt, dass Impfstoffe giftiges Quecksilber enthalten. Und das stimmt auch noch! Denn die Substanz Thiomersal wird in Injektionslösungen als Konservierungsmittel benutzt und ja, sie enthält Quecksilber und ja, sie ist hochgiftig. Wie kann das sein? Wollen uns alle vergiften?

Thiomersal enthält Quecksilber – und Kochsalz enthält Chlor

Thiomersal ist kein Quecksilber, sondern eine Quecksilber-Verbindung die Keime abtötet.
Thiomersal ist kein Quecksilber, sondern eine Quecksilber-Verbindung.

Zuerst einmal ist Quecksilber nicht gleich Quecksilber. Das Quecksilber im Thiomersal hat wenig mit der silbernen Flüssigkeit zu tun, die in manchen Thermometern zu finden ist. In dem Konservierungsmittel ist es das Ion Quecksilber-(II) (Hg2+). Der Unterschied zum metallischem Quecksilber ist so groß wie der zwischen handelsüblichem Kochsalz (Natriumchlorid) und Chlorgas, das im Ersten Weltkrieg als chemische Waffe verwendet wurde. Gerade bei Quecksilber ist es aber tatsächlich so, dass seine Verbindungen wesentlich giftiger sind als das Metall. Wenn also vor „giftigem Quecksilber“ in Impfstoffen gewarnt wird, dann ist das richtig – aber wohl eher aus Versehen.

Nun ist Thiomersal aber tatsächlich als „sehr giftig“ eingestuft und wird trotzdem in Impfstoffen benutzt, gerade weil es giftig ist: Es dient zur Sicherheit wenn Injektionslösungen mehrfach aus einem Behälter auf Spritzen aufgezogen werden. Jedes Mal wenn in den Behälter gestochen wird, können Erreger aus der Umgebung in die sterile Lösung geraten und sie kontaminieren. Eine sehr kleine Menge Thiomersal tötet diese Keime ab und schützt damit den Patienten. Die Mengen sind so gering, dass sie für Menschen selbstverständlich harmlos sind, und auch ein vermuteter Zusammenhang mit der Entstehung von Autismus wurde mehrfach widerlegt.

Eher ein Problem für die Umwelt

Quecksilberhaltige Zusatzstoffe werden in Impfungen dann benutzt wenn es darum geht, schnell viele Menschen zu immunisieren. Zum Beispiel die Besatzung eines Flugzeugträgers gegen Milzbrand. Bild: Public Domain / Wikimedia Commons
Quecksilberhaltige Zusatzstoffe werden in Impfungen dann benutzt wenn es darum geht, schnell viele Menschen zu immunisieren. Zum Beispiel die Besatzung eines Flugzeugträgers gegen Milzbrand. Bild: Public Domain / Wikimedia Commons

Der quecksilberhaltige Schutzstoff wird aber so gut wie gar nicht mehr verwendet, denn die meisten Injektionslösungen gibt es in Einmal-Spritzen, die gar nicht mehrfach benutzt werden. Die Substanz wird nur noch bei Tier-Impfungen verwendet und bei Pandemien, wenn es darum geht möglichst schnell viele Impfdosen zu verteilen, wie zuletzt bei der Schweinegrippe. Obwohl Quecksilber in medizinischen Produkten weder schädlich ist, noch Autismus verursacht, wird trotzdem möglichst verzichtet und seine Verwendung immer stärker reguliert und eingeschränkt; nicht zuletzt aus Gründen des Umweltschutzes.

Ironischerweise leiden vor allem die Hersteller homöopathischer Mittel darunter, die ebenfalls Quecksilber verwenden und (anders als die Medizin) keine Alternativen zu dem Schwermetall kennen. Dass Quecksilber und seine Verbindungen in ausreichend geringen Mengen aber völlig sicher sind, ist wohl einer der wenigen Punkte, in dem sich die Wissenschaft und die Homöopathie ausnahmsweise mal einig sind.

7 Kommentare

  1. In Mehrdosenbehältnissen von Lebendimpfstoffe wie zB MMR war nie Thiiomersal oder andere Konservierungsstoffe enthalten, diese wurde jeden Lebendimpfstoff unmittelbat zum Totimpfstoff machen.
    Die häufigsten Sensibilisierungen (Thiomersal-Allergie) finden mE noch durch thiomersalhaltige Reinigungsmittel für Kontaktlinsenträger statt. Und auch da ist eigentlich kein Thiomersal enthalten, sondern seine Zerfallsprodukte Ethylquecksilberchlorid und Thiosalizylsäure bzw Dithiosalicylsäure.

    • Hallo Wolfgang, danke für die sehr gute Anmerkung!
      Dass Thiomersal in Lösung in die eigentliche aktive Spezies zerfällt, ist wenig überraschend, sollte aber erwähnt sein. Da es sich dabei vermutlich um ein Lösungsgleichgewicht handelt, müssen in den „Thiomersal-haltigen“ Produkten entsprechend alle vier Substanzen berücksichtigt werden, wobei Ethylquecksilberchlorid mit Sicherheit die einzig relevante ist.

      Dass Thiomersal in Impfstoffen so gut wie keine Rolle mehr spielt, ist aber genau der Punkt. Ich vermute, dass sehr viele Impfkritiker sich immer noch vor Quecksilberverbindungen fürchten, obwohl es dazu keinen Grund gibt; weil eben keine drin sind.

      • Na ja DER deutsche Impfgegner und Aidsleugner Hans Tolzin sammelt gerade Geld ein, um die angebliche Quecksilberfreiheit von Impfstoffen zu überprüfen. Es hat vor ca 6 Jhr eine australische Publikation gegeben, die haben noch geringe Mengen von Quecksilber (mittels Atomabsorption) festgestellt. Die waren zT noch drinnen- nicht als Konservierungsmittel (dort 0,01%) sondern als residues of production, weil Hep B Impfstoffe von GSK bzw Keuchhustenimpfstoffe von SPMSD zu Beginn der Produktion mit Thiomersal inaktiviert wurden. Das waren max ca 1% der Menge welche früher als Konservierungsmittel zugesetzt waren. Also toxikologisch völlig unbedenklich, da sich Impfgegner aber vor jeglicher Menge (die Dosis machts) von Quecksilberverbindungen fürchten (ist ja Chemie der Pharmamafia) ist das ein willkommener Grund die eigenen Kinder weiter nicht zu impfen. Meinen Kommentar auf Tolzins Impfkritik Seite wurde übrigens kommentarlos gelöscht.

        Aber Thiomersal hat natürlich auch ein Problem – es war ja nicht drinnen was draufsteht, sondern es waren die Zerfallsprodukte – Zerfall katalysiert durch Halogene und Cl- ist als NaCl ja wohl überall drinnen. Und generell sollte bei Arzneimitteln schon drinnen sein, was draufsteht. Komische Ausnahme sind Homöopathika- da steht meist drauf, was nicht drin ist.
        Aber auch bei thiomersalfreien Impfstoffen wird nicht geimpft bei Impfgegnern, wenn es nicht das Thiomersal ist, ist es beispielsweise Formaldehyd (lebensnotwendig zur DNA Synthese) oder Aluminiumsalze als Adjuvans ( nehmen wir täglich mit der Nahrung auf (bis 14 mg)

  2. @ Radaktion …in medizinischen Produkten. Das ist falsch übersetzt.
    englisch medicinal product = deutsch Arzneispezialität oder Arzneimittel.
    deutsch Medizinprodukt (zB Herzschrittmacher, Brille etc) = englisch medical device

  3. Mei, verbrennen Sie Ihre Impfpässe, beharren Sie auf Ihr „Recht“ Ihre Kinder potentiell gefährlichen Krankheiten auszusetzen und damit auch noch andere Kinder zu gefährden… Aber wundern Sie sich nicht, wenn es in absehbarer Zukunft keine Ärzte mehr gibt, die Sie behandeln werden – die haben nämlich auch ihren anderen Patienten gegenüber eine Verantwortung. Zum Beispiel Kindern gegenüber, die noch zu jung oder tatsächlich zu schwach für Impfungen sind. Ich möchte meine Kinder auch nicht in Kindergärten geben, in denen ungeimpfte Kinder rumdrecken.

    • Danke für den Hinweis! Leider weiß ich nicht genau, auf welche der Studien Sie sich explizit beziehen. Die erste Studie aus Ihrem Link (http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/02699052.2016.1250950?journalCode=ibij20 ) verweist auf eine Korrelation zwischen emotionalen Störungen und thiomersalhaltigen Hepatitis-B-Impfungen in der frühen Kindheit.

      Die Autoren der Studie weisen selbst darauf hin, dass sie nur sehr kleine Gruppen mit Verhaltensauffälligkeiten im Zusammenhang mit Thiomersal beobachtet hatten. Dass in den vergleichbar großen, dreistelligen Gruppen der selben Studie eine Verdoppelung der Dosis das Risiko einer emotionalen Störung effektiv nicht ändert (bzw. sogar den Zahlenwert minimal senkt) wird offenbar von den Autoren nicht diskutiert.

      Die Autoren verweisen auch darauf, dass sie Unterschiede zwischen den Geschlechtern beobachten, was laut eigener Aussage nicht überraschend ist. Ähnliche Studien kamen zu dem Schluss, dass Männer empfindlicher auf Thiomersal reagieren als Frauen. Laut der Autoren zeigen Männer aber generell eher Verhaltensauffälligkeiten als Frauen, was sie vor Schwierigkeiten in ihrer Studie stellte. Dass in dieser Studie jedoch Frauen empfindlicher reagieren, steht dazu im Widerspruch und wird ebenfalls nicht diskutiert.

      Die Autoren selbst kommentieren ihre Arbeit mit den Satz: „As a result, this study may have been statistically under-powered to fully reveal the potential relationship between Thimerosal-containing vaccine exposures and the risk of an ED diagnosis.“

      Dass Thiomersal giftig ist und dass es genau aus diesem Grund verwendet wird, bzw. wurde, habe ich hoffentlich ausreichend in meinem Beitrag klar gemacht – ebenso wie den Umstand, dass wegen der grundsätzlichen Bedenken von Thiomersal in Impfstoffen inzwischen weitgehend Abstand genommen wird. Für einen umfassenden Überlick über die Risikeneinschätzung von Thiomersal empfehle ich Ihnen folgenden Review: http://oatext.com/Mercury-in-vaccines-A-review.php
      Hier führten die Autoren eine umfassende MEDLINE/Pubmed-Literaturrecherche durch, wie Sie bereits angeregt haben.

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