Chemie ist… Schmuck!

Bild: Hallwyl Museum / Jens Mohr [CC BY-SA 3.0] / Wikimedia Commons

Manche Chemikalien sind hochkarätig: Sie sind so selten und so wunderschön anzusehen, dass wir sie am Körper als Schmuck tragen oder sie sogar als Wertanlage benutzen. Dazu gehören nicht nur Kohlenstoff und verunreinigte Aluminiumoxide oder Silikate, sondern auch verschiedene Metalle – vor allem die farbigen.

Edelmetalle: Hohe Karate und viele Sterlinge

Gold dient seit Jahrhunderten nicht nur als Schmuck, sondern auch als Wertanlage. Bild: Shizhao [CC0] / Wikimedia Commons
Gold dient seit Jahrhunderten nicht nur als Schmuck, sondern auch als Wertanlage. Bild: Shizhao [CC0] / Wikimedia Commons
Der unumstrittene König der Edelmetalle ist das Gold: Kein anderes Metall hat seine einzigartige Farbe. In seiner reinen Form ist das Element so weich wie Zinn, weshalb es von Goldschmieden fast ausschließlich in Legierungen verwendet wird. Je nach Anteil der anderen Metalle hat die Goldlegierung eine eigene Farbe: Neben dem klassischen Gelbgold (Gold, Silber, Kupfer) gibt es auch Blaugold (Gold, Eisen), Grüngold (Gold, Silber, Cadmium), Rotgold (Gold, Kupfer) und Weißgold (Gold, Palladium, bzw. Gold, Nickel, Zink).

Weil auf diese Weise das Gold „verdünnt“ wird, gibt die Einheit „Karat“ den Anteil an Gold in der bestimmten Legierung an: Ein Karat bedeutet einen Gewichtsanteil Gold von einem Vierundzwanzigstel (1/24 = 4,167 %). Den höchstmöglichen Wert hätte also 24-karätiges Gold, was 100 % Reinheit bedeuten würde. Das ist aber praktisch unmöglich, deshalb sind 24 Karat „nur“ als 99,9 % Gold festgelegt.

Im Gegensatz dazu wird die Reinheit von Silber nicht in Vierundzwanzigsteln, sondern in Tausendsteln angegeben. Die „handelsüblichen“ Reinheiten des silbernen Edelmetalls sind: 800 (80 %), 835 (83,5 %), 925 (92,5 %) und 935 (93,5 %).

Das „verdünnende“ Metall ist meistens Kupfer. Das 925er Silber ist das berühmte Sterling-Silber, aus dem in England ab dem achten Jahrhundert Münzen geprägt wurden. Der Begriff „Pfund Sterling“ bedeutete vor 1200 Jahren tatsächlich genau das: Ein Pfund Silber mit einer Reinheit von 92,5 %, bezogen auf das Gewicht. Aus einem Pfund Sterlingsilber wurden genau 240 Münzen geprägt – die sogenannten Silbersterlinge.

Edelsteine: Korund, Beryll und Quarz

Metall, Kohlenstoff und Beryll: Perfekt für ein Symbol der Liebe. Bild: gemteck1 [CC BY 2.0] / Wikimedia Commons
Metall, Kohlenstoff und Beryll: Perfekt für ein Symbol der Liebe. Bild: gemteck1 [CC BY 2.0] / Wikimedia Commons
Bei Edelsteinen kann man nicht von ihrer Reinheit auf den Wert schließen. Denn gerade Rubine, Saphire, Smaragde oder Amethyste sind nur deswegen farbig weil sie verunreinigt sind. Deswegen hat der rote Rubin auch die gleiche chemische Formel wie der blaue Saphir: Al2O3.

Beide Edelsteine sind im Wesentlichen nichts anderes als Kristalle von Aluminiumoxid, mit Verunreinigungen von Chrom- (Rubin) oder Eisen-Ionen (Saphir). Auch der Beryll, zu dem der Smaragd gehört, ist nicht viel mehr als eine Mischung aus Aluminium, Beryllium und Siliciumdioxid mit der Formel Al2Be3[Si6O18]. Die faszinierende Grünfärbung entsteht durch Zusätze von Chrom- und Vanadium-Ionen.

Dass die Edelsteine nicht einfach nur graue Klumpen sind, liegt an ihrer Kristall-Struktur. Natürlich kann Aluminiumoxid nicht nur ein strahlender Edelstein sein – im Gegenteil: sind die Atome des Al2O3 in einer kubischen Struktur angeordnet, spricht man von Tonerde. Ist die Struktur aber trigonal, ist es Beryll – und je nach Verunreinigung gefärbt.

Diamant: der König der Edelsteine

Die besondere Gitterstruktur des Diamanten ist eines der Geheimnisse seiner Härte. Bild: [Public Domain] / Wikimedia Commons
Die besondere Gitterstruktur des Diamanten ist eines der Geheimnisse seiner Härte. Bild: [Public Domain] / Wikimedia Commons
Obwohl Diamanten oft farblos sind, zählen sie heutzutage zu den begehrtesten Schmucksteinen. Das liegt natürlich an ihrer Seltenheit, aber auch an ihrer sehr hohen Lichtbrechung. Mit dem richtigen Schliff kann man Rohdiamanten zu wahren Brillianten erstrahlen lassen. Der härteste natürlich vorkommende Stoff hat gleichzeitig die einfachste chemische Formel aller Edelsteine. Sie lautet: C – denn er besteht aus reinem Kohlenstoff.

Das Geheimnis seiner Härte liegt in der Anordnung der Atome. Ihr Grundmotiv (ein Käfig aus drei sesselförmig gewinkelten Sechsecken) wird als auch als „Adamant-Struktur“ bezeichnet. Allerdings trägt auch die sehr feste Bindung der Kohlenstoffatome untereinander zur enormen Härte des Diamanten bei.

Kann Anorganik Wasser beleben?

Gerade in der Esoterik-Branche sind die anorganischen Chemikalien sehr beliebt, um „belebtes Wasser“ herzustellen oder bestimmte, aber nicht näher genannte Informationen zu übertragen. Wie unbelebte, anorganische Materie das kühle Nass beleben kann, ist natürlich nicht geklärt, beobachtet oder bewiesen.

Es macht aber keinen Unterschied ob man sich nun einen Amethysten oder Rosenquarz in den Wasserkrug legt oder nicht: Das Glas selbst besteht nämlich aus der gleichen Substanz: Siliciumdioxid (Si2), nur eben nicht als verunreinigter, bunter Kristall.


Danke an Hanin für den Themenvorschlag!

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