Laborgerät des Monats: Der Magnetrührer

Magnetrührer
Bild: Lucasbosch [CC BY-SA 3.0] / Wikimedia Commons

Zum Arbeitsalltag von Chemikern gehört es seit jeher, Flüssigkeiten zu rühren. Denn (fast) jede chemische Reaktion beruht darauf, dass Substanzen miteinander in Kontakt treten – und dazu müssen sie sich erst einmal finden. Damit das passieren kann, werden die entsprechenden Chemikalien aufgelöst und können sich dadurch frei bewegen. Für die nötige Bewegung kann man auf zwei Arten sorgen: Durch Rühren und/oder Erhitzen der Lösung. Die bequemste Lösung dafür bietet ein teures, aber enorm praktisches Gerät: der Magnetrührer.

Kleine Magnete mit großer Rührkraft

magnetische Rührfische
Die kleinen magnetischen Rührstäbchen werden auch „Rührfische“ genannt. Bild: Ruhrfisch [CC-BY-SA-3.0] / Wikimedia Commons
Das Prinzip ist so einfach wie clever: Im Gefäß mit der Lösung befindet sich ein stabförmiger Magnet, der von Teflon ummantelt ist. Das Gefäß selbst befindet sich auf einer Platte, unter der ein starker Magnet rotiert.

Dreht sich der große Magnet unter der Platte, dann dreht sich auch der kleine Rührstab im Gefäß. Man kann sich Magnetrührer deshalb auch sehr leicht selbst bauen, beispielsweise aus dem Motor von einem alten PC-Lüfter und den Magneten einer ausrangierten Festplatte, wie dieses Video zeigt:

Diese günstige Lösung für Tüftler ist insbesondere für den privaten Laborkeller nützlich, oder für Universitätslabore wenn die Geldmittel knapp werden. Profis kaufen sich aber natürlich Magnetrührer vom Fachmann, die nicht nur Rühren können, sondern auch eine Heizfunktion besitzen. Mit einem passenden elektronischen Thermometer kann auch die gewünschte Temperatur der Reaktionsmischung sehr genau regulieren.

Das Statussymbol der Chemiker

Allerdings muss man selbst für die einfachen Varianten schon mal knapp 500 Euro einplanen; das passende Thermometer kostet zusätzlich weitere etwa 300 Euro. Die Luxus-Modelle mit integrierter Waage, Bluetooth-Schnittstelle und Anschluss für eine pH-Sonde kosten dann entsprechend etwa das vierfache – ohne Temperaturfühler, versteht sich.

Für diesen recht hohen Preis bekommt man aber in der Regel eine sehr hohe Lebenserwartung dieser Geräte. Schliesslich müssen sie einiges aushalten: Hohe Temperaturen, Stöße, lange Betriebszeiten und den gelegentlichen Kontakt mit verschiedensten aggressiven Chemikalien. Die selbstgebaute Variante in der Plastikdose hat dagegen keine großen Überlebenschancen.

ein alter Magnetrührer
Der Zahn der Zeit: Selbst nach Jahrzehnten arbeiten Magnetrührer oft noch zuverlässig. Bild: Jeffrey M. Vinocur [CC-BY-SA-3.0] / Wikimedia Commons
Ein sehr alter russischer Magnetrührer
„In Soviet Russia, magnet stirs you!“ – Eine Kiste mit einem Schalter tut’s eben auch. Bild: Ann 2000 [CC BY-SA 4.0] / Wikimedia Commons
Durch den hohen Preis und die sehr lange Lebensdauer kann man oft erkennen, wann ein Labor erstmals eingerichtet wurde – oder wieviel Geld es hat. Gerade an Universitäten findet man immer noch klobige Magnetrührer mit Stahlgehäuse und Kippschaltern, die seit Jahrzehnten tadellos arbeiten.

Im Vergleich dazu wirken die aktuellen Hochleistungsmodelle so, als würde man mit einem Trabanten zu einer Messe für Luxuslimosinen fahren. Dabei sollte man aber nie vergessen, dass ein gut gepflegter Trabant ein treuer und unermüdlicher Begleiter ist, wie der Name schon sagt.

Im Gegensatz dazu sind die modernen Geräte schon deswegen anfälliger, weil es mehr Technik gibt die kaputt gehen kann. Und letztendlich will jeder Chemiker einfach nur, dass sich der kleine Rührfisch im Glas dreht.

2 Kommentare

  1. Hachja…die gute, alte Magnetrührplatte :). Dazu gibts übrigens ein unverzichtbares Accessoire, für alle, die sich nicht die Finger in fiesen Chemikalien schmutzig machen wollen: Die Rührfisch-Angel (ein mit Teflon ummantelter Stab mit einem eingelassenen Dauermagneten an der Spitze…ahnt ihr schon, wofür?).

    Die DIY-Variante ist übrigens eine coole Idee – ich bin jetzt schon in Gedanken im Keller bei der grossen Kiste mit den alten PC-Teilen… wenn du erlaubst, werde ich das DIY – mit Verweis auf dich – bei Gelegenheit „klauen“ und selbst probieren!

    Liebe Grüsse,
    Kathi

    • Wenn man keine Rührfischangel hat, kann man auch einen Rührfisch in das Ende eines Gummischlauchs stecken – allerdings sollte man den nicht unbedingt in das Lösemittel tauchen.

      Wenn du einen DIY-Rührer baust, würde ich mich freuen, das Ergebnis zu sehen 😀
      Ich glaube, es bietet sich auch zur Fertigung in kleineren Mengen an. Bei den Preisen für „richtige“ Rührtische könnte es auch eine gute Option für den Gebrauch im Unterricht sein.

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