Smog über Indien vom Weltraum aus sichtbar

Smog über Indien, Satellitenbild der NASA, Stand 10.11.2016
Bild: NASA EOSDIS, 10.11.2016

Die indische Millionen-Metropole Delhi erstickt in einem unglaublichen Smog. Ausgelöst wurde die Umweltkatastrophe ironischerweise durch das Lichterfest Diwali, das in der indischen Kultur etwa den Stellenwert von Weihnachten und Neujahr in unserem Teil der Welt hat. Das Fest erstreckt sich über mehrere Tage, Familien kommen zusammen und es gibt viele Feuerwerke. Allerdings ist es nicht immer eine gute Idee, Feuerwerkskörper zu starten, vor allem in Ballungsgebieten wie Delhi, deren Luftqualität ohnehin schon zu den schlechtesten der Welt zählt.

Schadstoff-Werte zu hoch für Messgeräte

Der Rauch der Feuerwerke gesellte sich zu Staub, offenen Feuern, Auto- und Industrie-Abgasen, und Rückständen aus der Landwirtschaft. Eine Dunstglocke aus Smog entstand, die mit der Smog-Katastophe von London 1952 verglichen wird.

Bereits vor einigen Tagen rief die indische Regierung eine Notlage aus; die Schadstoff-Grenzwerte in der Hauptstadt Neu Delhi wurden um über das 16-fache überschritten. Die Werte waren teilweise so hoch, dass sie nicht mehr von den Messgeräten erfasst werden konnten. Schulen wurden geschlossen, Bau- und Abrissarbeiten ausgesetzt und Bulldozer wurden eingesetzt um die ständigen Feuer auf der Bhalswa-Mülldeponie zu löschen.

Der Smog ist vom Weltraum aus sichtbar

Die Dunstwolke ist so gewaltig, dass sie vom Weltraum aus sichtbar ist. Jüngste Satellitenbilder der NASA zeigen, dass trotz der Not-Maßnahmen keine Besserung in Sicht ist. Haupt-Ursache sind die Feuer der Bauern in den ländlichen Regionen, die geschätzt etwa 32 Millionen Tonnen Stroh verbrennen, um ihre Felder für die Aussaat im Winter vorzubereiten. Die Feuerwerke zum Diwali-Fest waren offenbar nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Satellitenfoto der NASA von Smog und offenen Feuern in Indien, Stand 09.11.2016
Das Satellitenbild zeigt den Smog in der Region Delhi. Die roten Punkte sind offene Feuer und andere Wärmequellen, die Hauptquelle ist die Region Punjab. Bild: NASA EOSDIS, 09.11.2016

Gesundheitsrisiko mit Langzeitwirkung

Der typische Smog einer Großstadt besteht aus Rußpartikeln, Schwefeldioxid (SO2), Kohlenmonoxid (CO), Stickoxiden (NOx), Staub und Nebel. Die feinen Ruß- und Staubpartikel sind teilweise so klein, dass sie über die Lungen in das Blut gelangen und die Blut–Hirn-Schranke überwinden. Das ist vor allem deswegen kritisch, weil erst in diesem Jahr berichtet wurde, dass solche Nanopartikel aus verschmutzter Stadtluft vermutlich die Alzheimer’sche Krankheit auslösen können.

Schwefeldioxid wiederum reagiert mit Feuchtigkeit zu schwefliger Säure (H2SO3) und Schwefelsäure (H2SO4). Das geschieht zum Beispiel in der Luft, dabei entsteht der berüchtigte „Saure Regen“. Aber auch unser Körper enthält Feuchtigkeit, wodurch die Säure sich auch an den Augen, auf der Haut und in den Atemwegen bildet. Die Bevölkerung Indiens hat bereits jetzt schon die weltweit höchste Rate an Atemwegserkrankungen. Die Langzeitfolgen des Smogs reichen von chronischem Husten bis hin zu einem stark erhöhten einen Herzinfarkt- und Krebsrisiko.

Für Indien bleibt zu hoffen, dass bald der Wind einsetzt und die Schadstoffwolke über den Globus verteilt. Die einzige dauerhafte Lösung kann aber nur sein, dass dem Schwellenland mit seinen über 1,2 Milliarden Einwohnern der Wechsel zu einer umweltfreundlicheren Gesellschaft gelingt – so wie es sich auch Deutschland seit Jahren immer wieder vornimmt.

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