Sind Plaques die Ursache für Alzheimer?

Gehirne im Regal
Bild: Neil Conway [CC BY 2.0] / flickr

Ein weiteres vielversprechendes Medikament gegen die Alzheimer-Krankheit schaffte es nicht durch die klinischen Studien. Das gab der Hersteller, Eli Lily & Co. kürzlich bekannt. Diese Niederlage reiht sich ein in eine Liste von hunderten Fehlschlägen in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten. Die Frage bleibt offen, ob man die Ursache für die Krankheit wirklich kennt.

Die Alzheimer-Krankheit betrifft in Deutschland etwa 700 000 Menschen. Darunter befinden sich vor allem Senioren. Die Erforschung der neurodegenerativen Erkrankung wird seit Jahrzehnten intensiv vorangetrieben. Trotzdem gibt es bisher keine Heilmethode. Wer allen Ernstes Heilung verspricht, am besten durch Hausmittel, ist entweder unseriös oder verdient den nächsten Nobelpreis für Medizin.

Amyloid-Hypothese in der Kritik

Als Hauptursache für die Erkrankung gelten β-Amyloide – die sogenannten „Plaques“. Vor über 30 Jahren wurden diese Eiweiß-Ablagerungen im Gehirn von Alzheimer-Patienten und Menschen mit Down-Syndrom entdeckt. Es gibt in der Tat viele Indizien dafür, dass Plaques tatsächlich die Alzheimersche Krankheit auslösen; beispielsweise, dass die chemischen Vorstufen der β-Amyloide unter anderem in Mutationen des Chromosoms 21 unseres Erbguts codiert sind. Menschen mit Down-Syndrom (Trisomie 21) haben dieses Chromosom drei- statt zweimal. Dadurch steigt auch das Risiko, dass eines davon die Mutation für β-Amyloide trägt.

Die sogenannten "senilen Plaques" bestehen aus β-Amyloiden, die sich sich im Gehirn ablagern. β-Amyloide gelten daher als Ursache der Alzheimer-Erkrankung. Bild: Nephron [CC BY-SA 3.0] / Wikimedia Commons
Die sogenannten „senilen Plaques“ bestehen aus β-Amyloiden, die sich sich im Gehirn ablagern. β-Amyloide gelten daher als Ursache der Alzheimer-Erkrankung. Bild: Nephron [CC BY-SA 3.0] / Wikimedia Commons
Es gilt aber noch längst nicht als nachgewiesen, dass Plaques die Alzheimersche Krankheit auslösen. Dagegen spricht nämlich zum Beispiel, dass manche Personen in deren Gehirngewebe viele Ablagerungen von β-Amyloiden  gefunden wurden, zu Lebzeiten keine geistige Beeinträchtigung zeigten. Es gibt aber noch andere Kritikpunkte an den einzelnen Argumenten der Amyloid-Hypothese, über die seit Jahrzehnten diskutiert wird.

Eine lange Liste von Fehlschlägen

Der ultimative Beweis dafür, dass β-Amyloide die Alzheimersche Krankheit auslösen, wäre ein Medikament, dass die Plaques bekämpft und dadurch die Symptome der Krankheit lindert. Seit 2002 wurden mehr als 350 solcher möglichen Medikamente getestet – aber keines war bislang erfolgreich. In diese Serie von Fehlschlägen kommt nun das Medikament namens Solanezumab hinzu.

Im Rennen um ein Alzheimer-Therapeutikum sind nun noch zwei vielversprechende Kandidaten: Der Antikörper Aducanumab der Firma Biogen und ein kleines Molekül der US-amerikanischen Merck & Co. namens MK-8931. Eigentlich war geplant, die ersten Medikamente gegen die Alzheimer-Krankheit 2017 auf den Markt zu bringen. Ob das gelingt, muss angesichts des aktuellen Rückschlags bezweifelt werden.

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