Gefährliche Güter: Die Chemikalien auf unseren Straßen und wie man sie erkennt

Tankauflieger mit ADR-Tafel und -Zettel
Bild: Meppen [CC BY-SA 3.0] / Wikimedia Commons

Auf Autofahrten sieht man oft speziell gekennzeichnete Lkws, die ein Gefahrgut transportieren. Je nachdem, welche genaue Gefahr von der Ladung ausgeht, kann man gut sichtbar platziert auch das jeweilige Gefahrensymbol sehen. Aber was bedeuten die vielen Kennzeichnungen eigentlich genau?

Die Symbolik ist grundsätzlich die gleiche wie überall: Eine Flamme weist darauf hin, dass das Transportgut leicht entzündlich ist, ein Totenschädel steht für Gift, und ein zersetztes Objekt neben einer ähnlich zersetzten Hand symbolisiert ätzende Stoffe. Genauso steht ein entlaubter Baum neben einem toten Fisch für umweltgefährdende und wasserschädliche Stoffe.

Ein rollendes Risiko, minimiert

Das Verkehrszeichen 261 verbietet kennzeichnungspflichtige Kraftfahrzeuge mit gefährlichen Gütern. Bild: Public Domain
Das Verkehrszeichen 261 verbietet Kraftfahrzeuge mit gefährlichen Gütern. Bild: Public Domain

Grundsätzlich dürfen sich diese Transporter frei im Straßenverkehr bewegen, bis auf eine Ausnahme: Strecken, die mit einem Verbotsschild für gefährliche Güter gekennzeichnet sind, sind tabu. Solche Strecken führen oft durch Gebiete, in denen Grundwasser gewonnen wird, oder durch Unfall-Schwerpunkte. Und niemand möchte, dass ein Tanklastzug mit Schwefelsäure in einem Wasserschutzgebiet ausläuft.

Gleichzeitig sind die Aufräumarbeiten von Gefahrstoffen natürlich sehr schwierig, weil jede Chemikalie besonders behandelt werden muss. Manchmal sieht man nach einer geräumten Unfallstelle eine Art farbigen Sand auf der Fahrbahn. Dabei handelt es sich um Stoffe, die das Gefahrgut binden (zum Beispiel ausgelaufenes Öl) und danach weggeräumt werden.

Die Zeichen sind eindeutig: Dieser Tanklastzug hat einen ätzenden Stoff geladen – und zwar Salzsäure. Bild: Pujanak [Public domain] / Wikimedia Commons
Die Zeichen sind eindeutig: Dieser Tanklastzug hat einen ätzenden Stoff geladen – und zwar Salzsäure. Bild: Pujanak [Public domain] / Wikimedia Commons

Kurz und eindeutig: Gefahrennummern

Die Gefahrensymbole geben zwar deutliche Hinweise darauf, was der transportierte Gefahrstoff anrichten kann, aber sie verraten aber, um was für einen Stoff es sich eigentlich handelt. Dafür gibt es die Gefahrentafeln; die kleinen viereckigen Schilder mit den schwarzen Nummern auf orangem Grund.

Für Rettungskräfte im Unfall eine wichtige Information: die 33 bedeutet leicht entzündlich, und die 1203 sagt, dass es sich um Kraftstoff handelt. Bild: Public Domain
Eine wichtige Information für Rettungskräfte: Die 33 bedeutet leicht entzündlich, und die 1203 sagt, dass es sich um Kraftstoff handelt. Bild: Public Domain

Die obere Nummer auf der Warntafel gibt genauer an, welche Gefahr von dem Stoff ausgeht. Sie ist mindestens zweistellig. Die Zahl 30 beispielsweise weist auf eine Brennbarkeit hin. Eine 33 steht für eine leichte Entzündlichkeit mit einem Flammpunkt unter 23 °C, eine 333 wird für selbstentzündliche Stoffe verwendet. Ähnlich steht die 8 für ätzende Stoffe und die 6 für Gifte. Diese Nummern stehen übrigens auch im dazu gehörigen Symbolbild auf dem Transporter.

Ganz exakt gibt schließlich die untere Nummer an, welche Substanz transportiert wird. Dabei werden die sogenannten UN-Nummern verwendet. Der Vorteil ist, dass man auf diesem kleinen Schild sehr viele lebenswichtige Informationen unterbringen kann. Die Nummer 1171 hat einfach weniger Stellen als das Wort „Ethylenglycolmonoethylether“. Dazu kommt, dass die Behörden und Rettungskräfte auf der ganzen Welt und in jeder Sprache in der Lage sein müssen, das Gefahrgut eindeutig zu identifizieren.

Ein Sicherheits-Code für alle Länder

Finger weg und Abstand halten, denn die Ladung ist ätzend. Bild: Public Domain
Finger weg und Abstand halten, denn die Ladung ist ätzend! Bild: Public Domain

Der deutsche Name einer Chemikalie wird in einem osteuropäischen Land sicher ebenso wenig verstanden wie der entsprechende chinesische Name in Rotterdam. Die schwarzen Nummern findet man allerdings nur bei unverpackten Gefahrstoffen, also in Gas- oder Flüssigkeitstanks, oder bei Schüttgut. Transportiert ein Lkw dagegen verschiedene gefährliche Chemikalien in Kartons oder Fässern, dann bleibt das rechteckige Warnschild leer.

Der Nachteil der Nummern ist natürlich, dass man immer eine Tabelle zur Hand haben muss, um die genaue Substanz zu erfahren, die transportiert wird. Im Alltag auf der Autobahn möchte man aber vielleicht auch gar nicht so genau wissen, dass man gerade Tanklastzug voller Salzsäure (80|1789) vor sich hat. Das Symbol für „ätzend“ reicht im Normalbetrieb als Warnung auch völlig aus.

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