Die alternativen Fakten des Donald T.

Donald Trump kennt die Wahrheit. Und wenn sie ihm nicht gefällt, kennt er noch andere.
Bild: Gage Skidmore [CC BY-SA 2.0] / flickr

In den USA formiert sich ein aktiver Protest von Wissenschaftlern gegen die Wissenschaftspolitik der neuen US- Regierung, der bis nach Deutschland überzuschwappen scheint. Das ist äusserst ungewöhnlich, denn Wissenschaftler sind nicht gerade für ihre Protestfreudigkeit bekannt. Die Lage muss also wirklich ernst sein, wenn Forscher ihre Labore und Schreibstuben verlassen um auf die Straßen zu gehen, anstatt zu forschen.

Die Politik der kritischen Masse

Donald Trump und seine Prediger der „alternativen Wahrheiten“ sind allerdings gar nicht das Problem der Wissenschaft. Sie sind einfach die unmittelbare Konsequenz wenn der Teil der Gesellschaft, der sich nicht mehr um Tatsachen schert, eine kritische Masse erreicht. Um bei dem Bild zu bleiben, droht den USA offenbar eine intellektuelle Kernschmelze. Und sie ist zu großen Teilen von der Wissenschaft mit verschuldet, die offenbar genau jetzt entdeckt, dass sie eine gesellschaftliche Rolle hat.

Das Selbstverständnis von Trump und seinen Unterstützern baut ganz offenbar darauf auf, Fakten so auszulegen, wie es gerade genehm ist. Da kann man auch mal Fotobeweise weg definieren oder ein Massaker erfinden. Im Zweifelsfall ist einfach alles, was einem nicht passt, „Fake News“. Wen kümmern schon Fakten? In Zeiten von gefühlten Wahrheitenreligiösen Befindlichkeiten und Selfie-Narzismen ist Präsident Trump damit der Pop-Star des Zeitgeists.

Man kann zwar die Anzahl der Wählerstimmen ins Feld führen, nach denen Trump in der Präsidentschaftswahl unterlegen war – allerdings ist auch das ein rein „alternativer Fakt“, denn die Wahl des US-Präsidenten eben keine direkte Wahl. Und, ob es einem gefällt oder nicht: Er wurde gewählt. Also hat er mit seiner nahezu obszön zelebrierten Kultur der Ignoranz bei genügend Leuten verfangen. Auch die USA haben also ganz offenbar „die Nase voll von Experten„.

Skandiert nicht, erklärt!

In einer Kolumne warnt der Physiker und Redakteur Robert Gast vor den Gefahren die mit einem „Science March“ verbunden sind. Tatsächlich existiert in der Gesellschaft das Bild der käuflichen Forschung, die für jeden Kunden die passende Studie veröffentlicht. Natürlich sieht es in der freien Forschung völlig anders aus: Wissenschaftler sind generell unterbezahlt, überarbeitet und kennen soziale Absicherung eher aus den Erzählungen derer, die in der Wirtschaft arbeiten. Das weiß aber niemand, der nicht selbst mit Wissenschaftlern zu tun hat.

Chemiker gesucht!
Chemiker, erklärt euch! Bild: [martin] [CC BY-NC-ND 2.0] / flickr
Wissenschaft ist mehr als nur das Schaffen von neuem Wissen. Wenn wir nicht in der Lage sind, den Menschen zu vermitteln, wie wundervoll die Natur ist und wir diese Wunder nicht begreifbar machen, dann verliert die Wissenschaft ganz einfach ihre gesellschaftliche Relevanz. Genau das kann man zur Zeit eindrucksvoll in USA beobachten, wo ein Twitter-Troll nach Belieben Dekrete unterschreibt und evidenzbasierte Wissenschaft in einem Sumpf aus erfundenen „Fakten“ ertränkt.

Ich habe schon vor einem Vierteljahr Wissenschaftler dazu aufgerufen, den Elfenbeinturm zu verlassen und auf Augenhöhe mit den Leuten da draussen zu reden. Diesen Aufruf möchte ich noch einmal in eigener Sache erneuern: Für den Chemischen Reporter suche ich Mitstreiter! Wer über Chemie oder chemische Themen qualifiziert bloggen, schreiben, diskutieren, reden oder kommentieren möchte, kann sich gerne an mich wenden. Per Kontaktformular, E-Mail, Facebook oder auf Twitter.

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