Jungbrunnen gefunden? Chemiker aktivieren „Anti-Aging“-Enzym

Bild: Lucas Cranach [Public Domain]

Einem internationalen Team von Wissenschaftlern ist ein wichtiger Schritt in der Bekämpfung altersbedingter Krankheiten gelungen: Sie aktivierten das Enzym Sirtuin 6, das die Alterung von Körperzellen aufhält. Das berichten die Forscher im Fachblatt Angewandte Chemie.

Unter der Leitung des Biochemikers Prof. Dr. Clemens Steegborn von der Universität Bayreuth entwickelten die Forscher eine Gruppe von kleinen Molekülen, die gezielt an das Enzym andocken und dadurch dessen Aktivität erhöhen. Die Substanzen aus der Gruppe der Pyrrolo[1,2-α]quinoxaline sind speziell auf das Enzym Sirtuin 6 angepasst und beeinflussen – von wenigen Ausnahmen abgesehen – die anderen Vertreter der Sirtuine nicht.

Ein molekularer „Dimmschalter“

Das kleine Molekül bindet an das Enzym Sirtuin 6 und aktiviert es dadurch. Der Name der Substanz: "4-(pyridin-3-yl)-4,5-dihydropyrrolo[1,2-α]quinoxalin". Bild: Clemens Steegborn
Das kleine Molekül bindet an das Enzym Sirtuin 6 und aktiviert es dadurch. Der Name der Substanz: „4-(pyridin-3-yl)-4,5-dihydropyrrolo[1,2-α]quinoxalin“. Bild: Clemens Steegborn
Insgesamt untersuchten die Forscher 14 Moleküle, die teilweise sehr verschiedene Effekte auf das Enzym hatten. Einige der Substanzen aktivierten die Acetyl-Abspaltungsreaktion von Sirtuin 6. Mit dieser Reaktion schützt das Enzym das Erbmaterial in der Zelle vor Schäden. Andere der Moleküle wiederum unterdrückten eine andere Funktion des Enzyms: die Abspaltung von Myristyl-Gruppen.

Den Wissenschaftlern gelang es, die genaue Position der Moleküle zu bestimmen, an der sie im Enzym angedockt sind. Daraus schlussfolgerten sie, dass es möglich ist, Sirtuin 6 nicht nur zielgerichtet zu aktivieren, sondern auch die Vorgänge zu regulieren, die das Enzym steuert.

Die sieben Schlüssel zum Jungbrunnen?

Ingesamt sind sieben Sirtuine bekannt – eine gezielte Aktivierung war bisher nur bei Sirtuin 1 gelungen. Mit ihrer Arbeit an Sirtuin 6 sind die Forscher damit einen großen Schritt weiter gekommen in der Entwicklung von Medikamenten gegen altersbedingte Krankheiten – denn Sirtuine können lebensverlängernd wirken.

Mit jeder Zellteilung verkürzen sich die Enden der Chromosomen, die sogenannten Telomere. Nach sehr vielen Zellteilungen über eine lange Lebensspanne sind die Chromosomen irgendwann so kurz, dass das Erbmaterial instabil wird. Dann tritt normalerweise der programmierte Tod der Zelle ein; es können sich stattdessen aber auch Tumore bilden. Insbesondere Sirtuin 6 schützt die Struktur der Telomere und bewahrt dadurch den gesamten Organismus vor vorzeitigen Alterungserscheinungen.

Ist damit also der Schlüssel zum ewigen Leben gefunden? Leider nein; denn die Verzögerung des natürlichen Todes durch diese „Anti-Aging“-Enzyme wurde bislang nur bei Mikroorganismen erreicht. In Tierversuchen an Mäusen wurden aber mithilfe der Sirtuine altersbedingte Krankheiten deutlich hinausgezögert. Bis die Vision der Alchemisten wahr wird, und heutige Forscher den Quell ewigen Lebens und ewiger Jugend finden, müssen wir uns also wohl noch etwas gedulden.

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