Kokosöl ist nicht gesund

Bild: Alex Masters [CC BY-NC-ND 2.0] / flickr.com

Das weiße, aromatische Fett der Kokosnuss liegt voll im Trend. Es gilt als antimikrobiell, antiviral und antimykotisch. Andere Quellen, wie die kontrovers diskutierte Website Zentrum der Gesundheit, gehen noch einen Schritt weiter und preisen das Fett für die Behandlung von Krebserkrankungen, Demenz oder Arteriosklerose an. Nur leider ist Kokosöl nicht gesund. Es ist Fett.

Pflanzenfett mit Kokosnote

Die American Heart Association warnt in einer aktuellen Stellungnahme zu Nahrungsfetten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen davor, Kokosöl als „gesund“ zu betrachten. Wie jedes feste Fett enthält auch Kokosöl überwiegend gesättigte Fettsäuren, die den Anteil an „schlechtem“ LDL-Cholesterin im Blut erhöhen. LDL-Cholesterin ist eine der Hauptursachen für Arteriosklerose.

Mit einem Anteil von 82 Prozent gesättigter Fettsäuren steht Kokosöl seinem chemischen Verwandten, dem Palmöl, in nichts nach. Ihr Anteil an den Cholesterinspiegel-steigernden Fettsäuren ist sogar höher als der in Butter (63 Prozent), Rindertalg (50 Prozent) oder Schweineschmalz (39 Prozent). Und auch der Energiegehalt ist hoch: Mit etwa 900 Kilokalorien pro 100 Gramm ist Kokosöl sogar um ein Fünftel energiereicher als Butter.

Kokosöl besteht aus Fett, sieht aus wie Fett und verhält sich wie Fett. Bild: Friman [Public domain] / Wikimedia Commons
Kokosöl besteht aus Fett, sieht aus wie Fett und verhält sich wie Fett. Bild: Friman [Public domain] / Wikimedia Commons
Dass gesättigte Fettsäuren auch dann nicht gesund sind, wenn sie aus Kokosöl stammen, beschreiben die Autoren um Medizinprofessor Frank Sacks von der Universität Havard anhand einer Übersichtsstudie. Sie berichten unter anderem von sieben verschieden Studien, die die Auswirkung von Kokosöl auf den LDL-Cholesterinspiegel untersuchten. In allen sieben Studien wurde beobachtet, dass Kokosöl den LDL-Cholesterinspiegel deutlich stärker erhöhte als Öle mit ungesättigten Fettsäuren es taten. Die ungesunde Wirkung des Kokosöls auf den Cholesterinspiegel war jedoch geringer als die von Butter.

Bringt Kokosöl wirklich keine Vorteile?

Die Autoren der Stellungnahme schlussfolgern, dass Kokosöl den LDL-Cholesterinspiegel erhöht und keinerlei gesundheitsfördernde Effekte hat. Daher raten sie auch davon ab, Kokosöl zu verwenden. Woher kommen aber die vielen Argumente, die das Cholesterin-steigernde Fett als Wundermittel gegen nahezu alles empfehlen?

Wie jedes Fett ist auch Kokosöl ein Geschmacksträger, kann hoch erhitzt werden und lässt sich gut lagern. Damit bietet Kokosöl die gleichen Vorteile wie Palmöl, hat aber keinen so schlechten Ruf. Studien, nach denen fettleibige Personen schneller abnehmen wenn sie bestimmte gesättigte Fettsäuren essen, wie sie auch im Kokosfett vorkommen, müssen sich allerdings den Vorwurf des „P-Hackings“ gefallen lassen.

Offenbar helfen mittelkettige Fettsäuren (MCT), wie sie im Kokosöl vorkommen, nur exakt zwischen der vierten und achten Woche der Diät. Davor und danach ist der Gewichtsverlust fast identisch zur Diät, die stattdessen langkettige Fettsäuren (LCT) enthält. Bei nur 26, bzw. 30 Probanden in den beiden Gruppen kann das natürlich auch Zufall sein. Bild: Hiroaki Tsuji et al., J. Nutr., 2001 (131:11) 2853-2859

Auch die Behauptung, Kokosöl würde gegen Bakterien, Viren und Pilze wirken, ist irreführend. Im Körper wird das weiße Fett aus den Kokosnüssen tatsächlich in Monolaurin umgewandelt, das in der Petrischale gegen Viren und Mikroben wirkt. Es könnte durchaus sein, dass es das auch im menschlichen Körper macht und dort gegen Krankheitserreger wirkt. Das ist aber reine Spekulation, nachgewiesen ist nichts davon.

Dass die Bewohner der Südsee sich traditionell keine Gedanken um Diabetes, Alzheimer oder Arteriosklerose machen mussten, liegt vielleicht nicht an dem guten Zugang zu Kokosnüssen. Vielmehr kann es sein, dass die Menschen ohne medizinische Versorgung schlicht eine geringere Lebenserwartung hatten.

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