Wolke aus Methanol schwebt über Saturnmond

Enceladus im E-Ring des Saturn. Bild: NASA/JPL-Caltech/Space Science Institute.

Vor einigen Monaten flog die Raumsonde Cassini durch eine der Gasfahnen, die aus Rissen in der Eisdecke des Saturnmonds Enceladus strömten.  Die Messdaten bestätigten, dass in dem Dampf Wasserstoff enthalten ist, was als Hinweis darauf gilt, dass in dem Ozean unter dem Eis des Mondes Mikroben existieren könnten. Es braucht aber nicht immer eine Raumsonde: Forscher entdeckten von der Erde aus eine dichte Wolke aus Methanol, die sich um den Mond bewegt. Ist die organische Substanz ein weiterer Hinweis auf außerirdisches Leben?

Zufallsentdeckung von der Erde aus

Eigentlich untersuchten die Wissenschaftler mit einem Radioteleskop in der südspanischen Sierra Nevada die Gasfahnen, die aus dem Mond strömen. Umso überraschter waren sie, als sie in ihren Messdaten die organische Verbindung erkannten, die offenbar eine kompakte und klar begrenzte Gaswolke bildet.

Das IRAM 30-Meter-Radioteleskop spürte die Signale des außerirdischen Methanols auf. Bild: JuanJaén [CC BY-SA 2.0] / Wikimedia Commons
Die Cassini-Sonde fand auf ihrem Durchflug durch eine der Gasfahnen zwar ebenfalls Methanol, aber in weitaus geringeren Mengen. Die Forscher vermuten daher, dass das Methanol erst außerhalb des Mondes durch chemische Reaktionen in der Gaswolke entstanden ist, nachdem diese aus dem Saturnmond ausgestoßen wurde.

Die Forscherin Emily Drabek-Maunder von der Cardiff University berichtete über diese unerwartete Entdeckung auf einer Konferenz der Royal Astronomical Society, die vergangene Woche stattfand.

Dass Bakterien an hydrothermalen Quellen im Inneren von Enceladus das Methanol gebildet haben, ist also sehr unwahrscheinlich. Das Forscherteam rät deshalb deutlich davon ab, voreilig über die Existenz außerirdischen Lebens zu spekulieren, nur weil die „Chemie stimmt“.

Wie geht es weiter nach Cassinis Ende?

Auch wenn wir also immer noch kein außerirdisches Leben gefunden haben, hat die Entdeckung etwas Gutes: Die Cassini-Sonde, die den Wissenschaftlern bei der Auswertung ihrer Daten half, beendet ihre Mission bald. Am 15. September soll sie in einem „Grand Finale“ in der Atmosphäre des Saturn verglühen. Eine weitere Raumsonden-Mission ist vorerst nicht geplant. Umso wichtiger ist es also, dass wir die chemischen Analysen unserer Nachbarn nun auch von unserem Heimatplaneten aus erledigen können.

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