Der Sand wird knapp!

Sand in der Hand.
Bild: Dörthe Huth / pixelio.de

Sand und Kies sind die Rohstoffe, die weltweit am meisten abgebaut werden. Eigentlich ist es also kein Wunder, dass Forscher nun davor warnen, dass auch dieses Material bald erschöpft sein wird.

Eben nicht „wie Sand am Meer“

Reiner Quarzsand, wie die Halbleiterindustrie ihn benötigt, kommt nicht überall vor. Das macht ihn zu einem begehrten Rohstoff. Bild: Jan Homann [Public Domain] / Wikimedia Commons
Sand wird überall benötigt. Nicht nur im Bauwesen, sondern auch in der Herstellung von Glas oder elektronischen Bauteilen, wie zum Beispiel Computerchips oder Solarzellen. Inselstaaten wie Singapur, sind für die Gewinnung neuer Landflächen ebenfalls massiv auf Sandimporte angewiesen. Auch für die Gewinnung von Schiefergas werden große Mengen Sand eingesetzt.

Obwohl das Material so gut wie überall vorkommt, kann nicht jeder Sand für jeden Zweck benutzt werden. Die rundgeschliffenen Körner des Wüstensandes sind zum Beispiel wenig für den Häuserbau geeignet, weil sie nicht genügend Halt bieten. Ebenso braucht die Halbleiterindustrie Quarzsand, der möglichst wenig Verunreinigungen enthält.

Sand wächst nicht nach

Die Wissenschaftler sehen ein Problem in der drohenden Rohstoffkrise, dass Sandvorkommen nur schwer geschützt werden können. Eben weil das Material so leicht zugänglich ist und wenig kostet, wird es massiv – und häufig illegal – abgebaut.

Wie das Forscherteam aus Deutschland, Griechenland und den USA im Fachmagazin Science darlegt, gibt es in Indien bereits eine „Sandmafia“, die zu den mächtigsten und gewalttätigsten kriminellen Vereinigungen zählt. Ebenso gibt es bereits „Sandkriege“, die schon hunderte Menschen das Leben gekostet haben.

Illegaler Abbau von Sand kommt in der Gegend um Mumbai in Indien häufig vor. Das Material wird in der Metropole dringend für Bauprojekte benötigt. Bild: Sumaira Abdulali [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
Die Ausbeutung der Sandvorkommen führt ebenfalls zu Absenkungen des Bodens und des Grundwasserspiegels. Die Bewohner des Mekong-Deltas leiden schon jetzt unter einem Mangel an Grundwasser, der sich auch auf die Landwirtschaft auswirkt. Gleichzeitig dringt durch den Sandabbau Meerwasser ins Landinnere ein. Dadurch versalzt das das Ackerland in der wichtigsten Landwirtschaftsregion Südostasiens.

Für einen bewussten Umgang mit einem knappen Gut

Die Wissenschaftler um Aurora Torres und Prof. Jianguo Liu gehen davon aus, dass der weltweite Bedarf an Sand in den kommenden Jahren weiter steigen wird. Allerdings weiß niemand genau, wieviel nutzbaren Sand es eigentlich weltweit gibt. Ebenso gibt es keine internationalen Abkommen, die den Abbau regulieren. Die Forscher raten daher dringend dazu, die komplexen Verbindungen zwischen Abbau, Transport, Handel und Verbrauch der Ressource genau zu erforschen. Regierungen werden angehalten, einen nachhaltigen Umgang mit Sand zu unterstützen.

Vor allem aber möchte das Forscherteam das Bewusstsein dafür wecken, dass Sand tatsächlich ein knappes Gut ist. Und zwar weitaus knapper als wir glauben.

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