Ig-Nobelpreis 2017: Sind Katzen flüssig?

Bild: cuteoverload.com

Die meisten Dinge die uns im täglichen Leben begegnen sind entweder Fest, flüssig oder gasförmig. Dass diese Zustände aber nicht immer leicht zu unterscheiden sind, zeigt der Gewinner des diesjährigen Ig-Physiknobelpreises, Marc-Antoine Fardin von der Universität Paris Diderot. Er untersuchte eine Frage, die im Internet immer wieder auftaucht: Sind Katzen flüssig?

Eine Frage der Zeit

Bereits Erwin Schrödinger hatte erkannt, dass Katzen eine spezielle Beziehung zu Behältern haben. Im Internet wurde dieses Phänomen, „If it fits, I sits“ getauft („Wenn es passt, sitz‘ ich“). Besonders interessant ist, dass die Stubentiger ihre Form an verschiedene Gefäße anpassen können – und sich damit wie Flüssigkeiten verhalten.

Flüssigkeiten: Das Volumen ändert sich sich nicht, aber die Form passt dem sich dem Behälter an. Bild: Imgur.com

Der Physiker Marc-Antoine Fardin griff dieses Phänomen auf und beschrieb Katzen im Fachjournal „Rheology Bulletin“ (hier der Link zur PDF) erstmals mit Methoden der Fließkunde (Rheologie). Damit etwas als flüssig gilt, muss es während einer bestimmten Zeitspanne seine äußere Form so ändern, dass es in einen jeweiligen Behälter passt. Diese Zeitspanne heißt Relaxationszeit. Zusätzlich muss diese Veränderung in einem Zeitraum geschehen, der kürzer ist als die Beobachtungsdauer.

Wie schwierig das sein kann, zeigt das „Pechtropfenexperiment“, bei dem ein superzäher Stoff seit 79 Jahren durch einen Trichter fließt. Bislang wurden neun Tropfen gezählt. Aber auch fallendes Wasser kann wie ein Feststoff erscheinen – wenn man nur kurz genug hinschaut.

Ist das noch flüssig? Etwa alle neun Jahre fällt ein Tropfen Pech aus dem Trichter. Bild: John Mainstone, University of Queensland [CC-BY-SA-3.0] / Wikimedia Commons

Je nach Alter sogar gasförmig

Auf dieser Grundlage stellte Fardin fest, dass die Relaxationszeit von Katzen zwischen einer Sekunde und einer Minute liegt. Er erkannte auch, dass Katzen mit höherem Alter sich eher wie Flüssigkeiten verhalten und sogar gasförmige Eigenschaften annehmen können. Das bedeutet, dass die Tiere sich nicht nur der Form des Behälters anpassen, sondern den verfügbaren Raum komplett einnehmen.

Katzen verfestigen sich unter Druck und sind dann nicht mehr fließfähig, ähnlich wie Ketchup. Bild: metro.co.uk

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Materialien, die Katzen abweisen oder binden

Weitere Eigenschaften, die Fardin untersuchte, war das katzenabweisende und -anziehende Verhalten von bestimmten Oberflächen. Der Wissenschaftler vermutet, dass Katzen sich häufig auf rauhen Oberflächen ausbreiten, aber wenig von feuchten Oberflächen angezogen werden – laut Fardin hängt das vielleicht mit der Weichheit des Katzenfells zusammen.

Katzen können wie ein Gas den gesamten verfügbaren Raum eines Behälters einnehmen (a-c). Außerdem breiten sie sich auf rauen Oberflächen aus (d), auf feuchten Oberflächen dagegen weniger (e-f). Ungewöhnlich ist, dass Schwerkraft ihr Haftvermögen zu verstärken scheint (g). Bild: M.-A. Fardin, Rheol. Bull. 2014, (83:2), 17

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