Microdosing hilft Ratten gegen Angst

Kristalle der Droge N,N­-Dimethyltryptamin (DMT) unter dem Polarisationsmikroskop. Bild: Lindsay Cameron und Lee Dunlap

Ein amerikanisches Forschungsteam hat nachgewiesen, dass psychedelische Drogen in geringen Mengen die Symptome von Angstzustände und Depressionen bekämpfen können. Das sogenannte „Microdosing“ erzeugt zwar keinen Rausch, ist aber trotzdem nicht ohne Nebenwirkungen.

Rauschgift ohne Rausch

Microdosing, also die Einnahme von halluzinogenen Substanzen in sehr geringen Mengen, wird zunehmend beliebt. Dabei soll die Stimmung aufgehellt und die geistige Leistungsfähigkeit erhöht werden, ohne dass es zu einem Rauschzustand kommt. Diese Effekte wurden bisher jedoch nur von Einzelpersonen berichtet. Die Gruppe um Professor David Olson an der University of California untersuchte die Auswirkungen von Microdosing nun erstmals über einen längeren Zeitraum.

Dimethyltryptamin zählt zu den Tryptamin-Alkaloiden.

Dazu verabreichte das Team die Droge DMT (N,N-Dimethyltryptamin) in geringen Mengen an Ratten. DMT gilt als stärkstes Psycheldelikum der Welt.[1]Katharina Müller, „DMT – Das stärkste Psychedelikum der Welt“, Spektrum Online, 26. Januar 2019 Es wurde in einem Tee namens Ayahuasca entdeckt, der von indigenen Völkern im Amazonasgebiet zu rituellen Zwecken getrunken wird. Die Substanz kommt aber auch in anderen Pflanzen oder auch im Hautsekret der Aga-Kröte vor.

Zwei Monate lang bekamen die Tiere an jedem dritten Tag ein Zehntel der rauschauslösenden DMT-Dosis; etwa ein Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Damit folgte das Team den Berichten von Menschen, die Microdosing betreiben. Zwei Wochen nach dem Beginn des Microdosings wurde das Verhalten der Tiere untersucht.

Keine Wirkung ohne Nebenwirkung

In einem Test erzeugte die Gruppe in den Ratten Angstzustände und posttraumatische Belastungsstörungen. Dabei fand das Team heraus, dass das DMT-Microdosing Ratten dabei half, ihre Angstreaktionen zu überwinden. In einem anderen Test fand die Gruppe heraus, dass auch die Bewegungslosigkeit der Tiere abnahm. Dieser Effekt wird auch von Antidepressiva ausgelöst. Die kognitiven Fähigkeiten und das sozialverhalten der Tiere seien dagegen nicht offenkundig beeinflusst gewesen, berichtet die Gruppe im Fachjournal ACS Chemical Neuroscience.[2]L.P. Cameron et al., „Chronic, Intermittent Microdoses of the Psychedelic N,N-Dimethyltryptamine (DMT) Produce Positive Effects on Mood and Anxiety in Rodents“, ACS Chem. Neurosci. 2019. DOI: 10.1021/acschemneuro.8b00692

Allerdings fand die Gruppe auch unangenehme Nebenwirkungen des Microdosings: So legten die männlichen Ratten an Gewicht zu. Bei den weiblichen Exemplaren kam es während des Microdosings zu Nervenschwund. Dieses Ergebnis war überraschend, denn die Droge DMT führt in höheren Dosen bei Ratten stattdessen zu einem Nervenwachstum.

Das Team vermutet daher, dass kurzfristige halluzinogen wirkende Dosen von DMT sich deutlich anders auf die Biochemie des Körpers auswirken als längerfristiges Microdosing. Mit diesen Erkenntnissen, so die Hoffnung der gruppe, lassen sich vielleicht neue Medikamente entwickeln, um Angststörungen zu behandeln.

Quellen   [ + ]

1. Katharina Müller, „DMT – Das stärkste Psychedelikum der Welt“, Spektrum Online, 26. Januar 2019
2. L.P. Cameron et al., „Chronic, Intermittent Microdoses of the Psychedelic N,N-Dimethyltryptamine (DMT) Produce Positive Effects on Mood and Anxiety in Rodents“, ACS Chem. Neurosci. 2019. DOI: 10.1021/acschemneuro.8b00692