Methadon ist unwirksam zur Krebstherapie

Zellkultur eines Glioblastoms. Blau sind die Zellkerne, rot die Zellkörper zu sehen. Sie wurden mit dem Protein Vimentin eingefärbt. Sehr starke Färbung bedeutet für die Erkrankten eine sehr schlechte Prognose. Bild: Universität Leipzig, Medizinische Fakultät Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie

Methadon ist nicht geeignet, um die Behandlung von Hirntumoren zu unterstützen. Das fand eine Forschungsgruppe der Universität Leipzig heraus. Im Sommer 2017 sorgte die Droge für Aufsehen. Laut Fernsehberichten hatte die Chemikerin Claudia Friese angeblich Menschen von Krebserkrankungen geheilt. Diese hätten zu ihrer konventionellen Therapie zusätzlich Methadon genutzt. Deshalb haben die Leipziger Forscherinnen und Forscher nun Methadon zur Therapie von Hirntumoren in einer Laborstudie getestet.

Bestrahlung und Chemotherapie hilft

Das Team untersuchte Zellkulturen, die aus Hirntumoren angelegt wurden, die von sechs an Krebs erkranken Personen entfernt wurden. Der Studienleiter Frank Gaunitz betonte, dass seine Gruppe hierzu auch erstmals Kulturen aus gesunden Zellen der Personen anlegte, um die Wirkung der Droge vergleichen zu können.

Anschließend behandelten die Forscherinnen und Forscher die Tumor-Zellkulturen mit der Standardtherapie bei einem Glioblastom: Bestrahlung und Chemotherapie. Zusätzlich setzten sie die Zellen Methadon in unterschiedlichen Konzentrationen aus. Wie das Team in der Fachzeitschrift Cancer Chemotherapy and Pharmacology berichtet, ist die Standardbehandlung wirksam – Methadon bringt jedoch keinen Zugewinn.[1]H. Oppermann et al., „ᴅ,ʟ-Methadone does not improve radio- and chemotherapy in glioblastoma in vitro“, Cancer Chemother Pharmacol (2019). DOI: 10.1007/s00280-019-03816-3

Selbstbehandlung ist lebensgefährlich

Das Team fand heraus, dass auch nichts nützt, nur die Droge zu nehmen, um Hirnkrebs zu behandeln. Eine Wirkung würde erst in Konzentrationen eintreten, die für Menschen tödlich sind. Der Biochemiker Frank Gaunitz rät insbesondere von einer Selbstmedikation mit Methadon ab: Wer Vorerkrankungen hat, wie etwa eine geschädigte Leber, riskiert damit sein Leben.

Quellen   [ + ]

1. H. Oppermann et al., „ᴅ,ʟ-Methadone does not improve radio- and chemotherapy in glioblastoma in vitro“, Cancer Chemother Pharmacol (2019). DOI: 10.1007/s00280-019-03816-3

1 Kommentar

  1. Vielleicht sollte man diese Studie nochmals prüfen, es scheint hier ist einiges schief gelaufen.

    1.) Standardabweichung von +/- 25 % der Ergebnisse. 25 % bedeutet, dass man sich auf die Daten nicht verlassen kann, für eine Relevanz bei einer Publikation sollte diese < 5% sein.

    2.) Mit der Bestrahlung und Temozolomid haben sie weniger tote Zellen als mit der Einzelbehandlung, dies bedeutet, dass die Bestrahlung den Zelltod von Temozolomid oder das Temozolomid die Bestrahlung abschwächt. Wurde das bemerkt und auch richtig ausgewertet?

    3.) Sie haben mit der Prodrug gearbeitet und nicht mit dem aktiven Metaboliten. Doxorubizin kann als Medikament Caelyx die Blut-Hirnschranke überwinden.

    4.) Es wurde nur eine Konzentration von Temodal gewählt und nur ein Meßzeitpunkt. Das ist unüblich.

    5.) Wenn man sich die Daten zur Bestrahlung und auch zu Temozolomid allein anschaut, wo nur 15 % der Glioblastomzellen sterben, dürfte die Strahlung und auch Temozolomid eigentlich gar nicht eingesetzt werden, da die Glioblastome kaum sterben. Das sieht man an den Balken, wo kein Methadon gegeben wurde. Die haben sich damit ein Eigentor geschossen und sollten nach der Publikation die Leitlinien ändern.

    6.) Für den Versuch wurden Blasten (Fibroblasten) als gesunde Zellen verwendet. Blasten werden generell bei Chemos zerstört, weil sie sich schnell teilen. Chemos zerstören schnell teilende Zellen am Besten. Richtig wäre gewesen gesunde Nervenzellen zu nehmen damit sie auch mit dem Glioblastom (kranke Nervenzellen) vergleichbar sind. Generell: Blasten sind Zellen, die sich noch teilen können.

    7.) In der Regel werden bei Temozolomid wesentlich höhere Dosen genutzt. Warum wurden hier nur 200 µM, wenn andere 2000 µM einsetzen?

    8.) Sonderbar beim Lesen des Supplements auch, dass hier Methadon zu Beginn, also bei Stunde 0 geben wird und mit der Bestrahlung aber erst nach 72 Stunden begonnen wird. Also drei Tage später. Eigentlich sollte beides zeitgleich passieren, da das Methadon 3 Tage vorher schon gebunden und gewirkt hat.

    9.) Ungewöhnlich auch, was eine Erwähnung und ein Link zu der Methadon-Petition in einer "wissenschaftlichen Publikation" zu suchen hat. Auch ein Warnhinweis einer DGHO ist nicht wissenschaftlich und hat nichts in einer wissenschaftlichen Publikation zu suchen.

    10.) Übrigens in der Supplement Figure sieht man mit Methadon eine Sensitiverung von Temodal, Strahlung.oder beides. Sogar bei 1 µM, das entspricht o,34 µg/ml Gewebe und das sind ca. 0.07 µg/ml Plasmaspiegel. Diesen Spiegel haben alle Patienten bei einer Dosierung von 2 x 35 Tropfen D,L-Methadon. Selbst wenn man nur den Plasmaspiegel von 0,34 µg/ml nehmen würde, ist dieser Spiegel erreichbar und nicht toxisch.

    Eine schöner Satz in der Studie: Wir raten von Studien ab, da die Gundlage dieser wissenschaftlichen Publikation, die Anwendung beim Patienten nicht befürwortet. Na Prima. Methadon ist ein WHO Medikament, das bei Krebspatienten eingesetzt werden darf.

    Eine Selbstmedikation vor der Biochemiker Frank Gaunitz ausdrücklich warnt ist gar nicht notwendig, es gibt über 160 Ärzte die D,L-Methadon ganz legal verschreiben. Diese kennen sich sehr gut mit diesem Wirkstoff aus. Sonst gäbe es wohl bei nicht sachgemäßer Anwendung bereits sehr viele Tote und darüber ist mir nichts bekannt (https://www.presseportal.de). Entsprechend viele Patienten gibt es die Methadon mit Erfolg bereits seit einigen Jahren nehmen.

    Es liegen bei Frau Dr. Friesen (Universität Ulm) die Ergebnisse von 12 Tumorentitäten vor. Diese Ergebnisse konnten an weiteren Tumorentitäten der Universitäten Freiburg, Tübingen und Calgary bestätigt werden.

    Weshalb gelingt dies bei dieser wissenschaftlichen Arbeit hier nicht? Vielleicht sollten die Forscher bei einer der oben genannten Universitäten mal nach den Gründen fragen!

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