Was hat giftiges Quecksilber in Impfstoffen zu suchen?

Bild: Centers for Disease Control and Prevention (CDC) [Public domain] / Wikimedia Commons

Wir leben in einer Zeit, in der wir wieder über den Sinn von Impfungen reden. Das zeigt, wie gut es unserer Gesellschaft gesundheitlich geht. Krankheiten, gegen die erfolgreich Impfungen eingesetzt wurden, haben ihren Schrecken verloren. Die Pocken sind seit Jahrzehnten ausgerottet. „Kinderkrankheiten“ wie Polio oder Diptherie kennt man nur noch aus Erzählungen der Eltern oder Großeltern. Und enthalten nicht die Impfstoffe selbst gefährliche Giftstoffe, wie zum Beispiel Quecksilber?

Lieber eine schwere Krankheit?

Bild: CDC/NIP/Barbara Rice [Public domain] / Wikimedia Commons
Lange Zeit musste sich niemand mehr vor den Masern fürchten. Bild: CDC/NIP/Barbara Rice [Public domain] / Wikimedia Commons
Seit im Jahr 2001 eine Meldepflicht für Masernfälle in Deutschland eingeführt wurde, ging die Zahl der registrierten Erkrankungen deutlich zurück. In den letzten Jahren gab es aber wieder vermehrt Masernausbrüche, auch mit Todesfolgen. Das Robert-Koch-Institut geht sogar davon aus, dass diese Krankheit in den nächsten Jahren in Deutschland wieder endemisch wird. Dabei gibt es seit einem halben Jahrhundert Impfstoffe gegen diese Krankheit. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte sogar sogar einmal den Plan, die Masern bis 2010 in Europa auszurotten.

Heute macht es Eltern offenbar weniger Angst, dass ihr Nachwuchs an einer schweren Krankheit leiden könnte. Stattdessen ist die Sorge größer, dass eine Impfung in den Organismus und die Gesundheit des Kindes eingreift.

Die Unsicherheit vieler Menschen gegenüber Impfungen wird auch mit dem Argument geschürt, dass Impfstoffe giftiges Quecksilber enthalten würden. Und das stimmt auch noch! Denn die Substanz Thiomersal wird in Injektionslösungen als Konservierungsmittel benutzt. Sie enthält Quecksilber und ist tatsächlich giftig.

Wie kann das sein? Wollen uns wirklich alle vergiften?

Wie Chlor im Kochsalz

Thiomersal ist kein Quecksilber, sondern eine Quecksilber-Verbindung die Keime abtötet.
Thiomersal ist kein Quecksilber, sondern eine Quecksilber-Verbindung.

Das Quecksilber im Thiomersal hat allerdings wenig mit der silbernen Flüssigkeit zu tun, die man etwa aus Thermometern kennt. Stattdessen ist es das Quecksilber-Ion Hg2+. Der Unterschied zum metallischem Quecksilber ist so groß wie der zwischen handelsüblichem Kochsalz (Natriumchlorid) und Chlorgas, das im Ersten Weltkrieg als chemische Waffe verwendet wurde.

Gerade bei Quecksilber ist es aber tatsächlich so, dass seine Verbindungen häufig wesentlich giftiger sind als das Metall. Wenn also jemand vor „giftigem Quecksilber“ in Impfstoffen warnt wird, dann ist das richtig – aber wohl eher nur aus Versehen.

Thiomersal wird in Impfstoffen benutzt, gerade weil es giftig ist: Es dient zum Schutz vor Erregern, wenn Injektionslösungen mehrfach aus einem Behälter auf Spritzen aufgezogen werden. Jedes Mal wenn in den Behälter gestochen wird, können Keime aus der Umgebung in die sterile Lösung geraten. Eine sehr kleine Menge Thiomersal tötet diese Keime ab. Die Mengen sind so gering, dass sie für Menschen harmlos sind. Auch ein vermuteter Zusammenhang mit der Entstehung von Autismus wurde mehrfach widerlegt.

Eher ein Problem für die Umwelt

Der quecksilberhaltige Schutzstoff wird aber sowieso kaum noch verwendet, denn die meisten Injektionslösungen gibt es inzwischen in Einmal-Spritzen. Thiomersal kommt heutzutage nur noch bei Tier-Impfungen und bei Pandemien zum Einsatz, wenn es darum geht, möglichst schnell viele Impfdosen zu verteilen. Obwohl die Quecksilberverbindung in medizinischen Produkten nicht schädlich ist, wird auf sie trotzdem möglichst verzichtet und ihre Verwendung immer stärker reguliert und eingeschränkt; und zwar aus Gründen des Umweltschutzes.

Ironischerweise leiden vor allem die Hersteller homöopathischer Mittel darunter, die ebenfalls Quecksilber verwenden und – anders als die Medizin – keine Alternativen zum Schwermetall kennen. Dass Quecksilber und seine Verbindungen in hochverdünnten Konzentrationen ungefährlich sind, ist wohl einer der wenigen Punkte, in dem sich die Wissenschaft und die Homöopathie ausnahmsweise mal einig sind.

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7 Kommentare

  1. In Mehrdosenbehältnissen von Lebendimpfstoffe wie zB MMR war nie Thiiomersal oder andere Konservierungsstoffe enthalten, diese wurde jeden Lebendimpfstoff unmittelbat zum Totimpfstoff machen.
    Die häufigsten Sensibilisierungen (Thiomersal-Allergie) finden mE noch durch thiomersalhaltige Reinigungsmittel für Kontaktlinsenträger statt. Und auch da ist eigentlich kein Thiomersal enthalten, sondern seine Zerfallsprodukte Ethylquecksilberchlorid und Thiosalizylsäure bzw Dithiosalicylsäure.

    • Hallo Wolfgang, danke für die sehr gute Anmerkung!
      Dass Thiomersal in Lösung in die eigentliche aktive Spezies zerfällt, ist wenig überraschend, sollte aber erwähnt sein. Da es sich dabei vermutlich um ein Lösungsgleichgewicht handelt, müssen in den „Thiomersal-haltigen“ Produkten entsprechend alle vier Substanzen berücksichtigt werden, wobei Ethylquecksilberchlorid mit Sicherheit die einzig relevante ist.

      Dass Thiomersal in Impfstoffen so gut wie keine Rolle mehr spielt, ist aber genau der Punkt. Ich vermute, dass sehr viele Impfkritiker sich immer noch vor Quecksilberverbindungen fürchten, obwohl es dazu keinen Grund gibt; weil eben keine drin sind.

      • Na ja DER deutsche Impfgegner und Aidsleugner Hans Tolzin sammelt gerade Geld ein, um die angebliche Quecksilberfreiheit von Impfstoffen zu überprüfen. Es hat vor ca 6 Jhr eine australische Publikation gegeben, die haben noch geringe Mengen von Quecksilber (mittels Atomabsorption) festgestellt. Die waren zT noch drinnen- nicht als Konservierungsmittel (dort 0,01%) sondern als residues of production, weil Hep B Impfstoffe von GSK bzw Keuchhustenimpfstoffe von SPMSD zu Beginn der Produktion mit Thiomersal inaktiviert wurden. Das waren max ca 1% der Menge welche früher als Konservierungsmittel zugesetzt waren. Also toxikologisch völlig unbedenklich, da sich Impfgegner aber vor jeglicher Menge (die Dosis machts) von Quecksilberverbindungen fürchten (ist ja Chemie der Pharmamafia) ist das ein willkommener Grund die eigenen Kinder weiter nicht zu impfen. Meinen Kommentar auf Tolzins Impfkritik Seite wurde übrigens kommentarlos gelöscht.

        Aber Thiomersal hat natürlich auch ein Problem – es war ja nicht drinnen was draufsteht, sondern es waren die Zerfallsprodukte – Zerfall katalysiert durch Halogene und Cl- ist als NaCl ja wohl überall drinnen. Und generell sollte bei Arzneimitteln schon drinnen sein, was draufsteht. Komische Ausnahme sind Homöopathika- da steht meist drauf, was nicht drin ist.
        Aber auch bei thiomersalfreien Impfstoffen wird nicht geimpft bei Impfgegnern, wenn es nicht das Thiomersal ist, ist es beispielsweise Formaldehyd (lebensnotwendig zur DNA Synthese) oder Aluminiumsalze als Adjuvans ( nehmen wir täglich mit der Nahrung auf (bis 14 mg)

  2. @ Radaktion …in medizinischen Produkten. Das ist falsch übersetzt.
    englisch medicinal product = deutsch Arzneispezialität oder Arzneimittel.
    deutsch Medizinprodukt (zB Herzschrittmacher, Brille etc) = englisch medical device

  3. Mei, verbrennen Sie Ihre Impfpässe, beharren Sie auf Ihr „Recht“ Ihre Kinder potentiell gefährlichen Krankheiten auszusetzen und damit auch noch andere Kinder zu gefährden… Aber wundern Sie sich nicht, wenn es in absehbarer Zukunft keine Ärzte mehr gibt, die Sie behandeln werden – die haben nämlich auch ihren anderen Patienten gegenüber eine Verantwortung. Zum Beispiel Kindern gegenüber, die noch zu jung oder tatsächlich zu schwach für Impfungen sind. Ich möchte meine Kinder auch nicht in Kindergärten geben, in denen ungeimpfte Kinder rumdrecken.

    • Danke für den Hinweis! Leider weiß ich nicht genau, auf welche der Studien Sie sich explizit beziehen. Die erste Studie aus Ihrem Link (http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/02699052.2016.1250950?journalCode=ibij20 ) verweist auf eine Korrelation zwischen emotionalen Störungen und thiomersalhaltigen Hepatitis-B-Impfungen in der frühen Kindheit.

      Die Autoren der Studie weisen selbst darauf hin, dass sie nur sehr kleine Gruppen mit Verhaltensauffälligkeiten im Zusammenhang mit Thiomersal beobachtet hatten. Dass in den vergleichbar großen, dreistelligen Gruppen der selben Studie eine Verdoppelung der Dosis das Risiko einer emotionalen Störung effektiv nicht ändert (bzw. sogar den Zahlenwert minimal senkt) wird offenbar von den Autoren nicht diskutiert.

      Die Autoren verweisen auch darauf, dass sie Unterschiede zwischen den Geschlechtern beobachten, was laut eigener Aussage nicht überraschend ist. Ähnliche Studien kamen zu dem Schluss, dass Männer empfindlicher auf Thiomersal reagieren als Frauen. Laut der Autoren zeigen Männer aber generell eher Verhaltensauffälligkeiten als Frauen, was sie vor Schwierigkeiten in ihrer Studie stellte. Dass in dieser Studie jedoch Frauen empfindlicher reagieren, steht dazu im Widerspruch und wird ebenfalls nicht diskutiert.

      Die Autoren selbst kommentieren ihre Arbeit mit den Satz: „As a result, this study may have been statistically under-powered to fully reveal the potential relationship between Thimerosal-containing vaccine exposures and the risk of an ED diagnosis.“

      Dass Thiomersal giftig ist und dass es genau aus diesem Grund verwendet wird, bzw. wurde, habe ich hoffentlich ausreichend in meinem Beitrag klar gemacht – ebenso wie den Umstand, dass wegen der grundsätzlichen Bedenken von Thiomersal in Impfstoffen inzwischen weitgehend Abstand genommen wird. Für einen umfassenden Überlick über die Risikeneinschätzung von Thiomersal empfehle ich Ihnen folgenden Review: http://oatext.com/Mercury-in-vaccines-A-review.php
      Hier führten die Autoren eine umfassende MEDLINE/Pubmed-Literaturrecherche durch, wie Sie bereits angeregt haben.

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