Wie verhindert man Betrug in der Homöopathie?

Bild: Dr. Leonora Schwarz / pixelio.de

Heilpraktiker müssen nicht heilen. Ärzte schon. Das ist die Quintessenz einer Diskussion auf der „Wissenswerte 2017“. Diese gesetzliche und ethische Sonderregel ist ein Freifahrtsschein für Betrüger. Denn wenn ein Heilmittel nicht wirken muss, kann man auch einfach Wasser als „alternative Medizin“ verkaufen. Viele machen das auch. Und das wirft Fragen auf, nicht nur über Betrug in der Homöopathie.

Wie beweist man, dass es geklappt hat?

Wenn eine Person in einem chemischen Labor oder pharmazeutischen Betrieb ein Präparat herstellt, dann muss sie auch nachweisen, dass ihr das gelungen ist – in der Regel auf mindestens zwei unterschiedliche Arten.

Kreuzworträtsel für Chemiker: Jede Signalgruppe im 1H-NMR-Spektrum steht für eine Sorte von Wasserstoff-Atomen in einem Molekül. Damit kann man nachweisen, ob man die richtige Substanz vor sich hat. Bild: Superplus [CC-BY-SA-3.0] / Wikimedia Commons
Bei Chemikalien wird zum Beispiel häufig das Molekulargewicht der jeweiligen Substanz bestimmt. Zusätzlich werden die Kernspinresonanzen aller Wasserstoff- und Kohlenstoff-Atome der vermeintlichen Substanz gemessen. Wenn bei beiden Methoden die Ergebnisse so sind wie erwartet, dann ist die Substanz mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die, die erwartet wurde.

Sollte das aus irgendwelchen Gründen nicht gehen, muss man mit anderen Methoden beweisen, dass das Experiment erfolgreich war. Sonst könnte ja jeder kommen.

Wie weist man in der Homöopathie Erfolg nach?

Bei homöopathischen Mitteln funktioniert das nicht. Denn bei ihnen wird ein Wirkstoff (z.B. Arnika, Eiter oder Hundekot) aufgelöst und so lange verdünnt, bis rechnerisch kein Teilchen des Wirkstoffs mehr in der Lösung ist. Wenn diese Lösung auf Zuckerkügelchen getropft wird, gibt es keine Substanz, die auf die Globuli übertragen wird.

Einen Fehlschlag in diesem Verfahren kann man nur dann erkennen, wenn die Urtinktur nicht oft genug verdünnt wurde und versehentlich doch ein Wirkstoff im Spiel ist.

Wie kann man Betrug in der Homöopathie eigentlich nachweisen?
Wurde keine Substanz auf die Zuckerkügelchen getropft oder nicht? Und wie will man Betrug in der Homöopathie eigentlich nachweisen? Bild: Giancarlo Foto4U [CC BY 2.0] / flickr
Was hält also die Hersteller davon ab, einfach zu betrügen? Warum sollte sich jemand die Kosten und Mühe machen, Lösungen dutzendfach zu verschütteln und auf Zuckerkügelchen zu tropfen? Die Produzenten könnten doch die Globuli einfach so verkaufen, niemand würde es ihnen je nachweisen können.

Kann man Betrug in der Homöopathie überhaupt erkennen?

Eine Möglichkeit, solchem Betrug vorzubeugen wären unabhängige Gutachter, die die ordnungsgemäße Verdünnung bezeugen und bestätigen. Ein Homöopathie-Gütesiegel könnte dann so eine Prozesskontrolle zertifzieren.

Betrug in der Homöopathie: Wie viele der verkauften Globuli sind eigentlich Placebos?
Das perfekte Verbrechen: In wie vielen Globuli-Fläschchen ist wirklich das drin was drauf steht? Bild: Lebemaja [CC0] / pixabay
Letztendlich würde aber jedes einzelne dieser Gutachten nur bestätigen, dass sich die behandelten Globuli nicht von blanken Placebos unterscheiden lassen. Denn sonst könnte man von den Herstellern einfach die Nachweise verlangen, dass ihre Produkte die sind, die sie sein sollen. So, wie es auch für den Rest der Welt üblich ist.

Denkt man diesen Gedanken zuende, stellt sich eine weitere Frage: Findet dieser Betrug heute schon statt? Es spräche nichts dagegen, denn natürlich wollen die Hersteller Kosten sparen. Und weil der Betrug per Definition nicht nachweisbar ist, wäre es ein perfektes Verbrechen.

Diese Fragen gelten generell für alle Heilpraktiker. Wenn bestimmte Komplementär- oder Alternativmediziner nicht von Betrügern unterschieden werden können, was sind sie dann?

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