Warum vor Spitzbergen Methan aus dem Meeresboden tritt

Bild: MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Universität Bremen; G. Bohrman

Sechs Wochen auf hoher See unterwegs war die Besatzung der „Maria S. Merian“. Die Fahrt führte das Forschungsschiff weit hinaus ins Nordpolarmeer. Denn vor der Küste von Spitzbergen tritt das Treibhausgas Methan aus dem Meeresboden aus. Unter dem Meer lagern große Mengen Methanhydrat, auch „brennendes Eis“ genannt, das nur bei kalten Temperaturen und unter hohem Druck stabil ist. Erwärmt sich das Wasser oder sinkt der Meeresspiegel, zerfällt das Hydrat und reichert das Wasser mit dem freigewordenen Methan an.

Ist die Erderwärmung schuld?

Die Forscher aus Deutschland, Norwegen, Großbritannien und den USA begaben sich auf die lange Reise, um die Ursache für die Methanaustritte herauszufinden. Ausgerüstet mit einem speziellen Bohrgerät entnahmen die Wissenschaftler an verschiedenen Stellen des Kontinentalhangs Sedimentproben in bis zu 1.200 Metern Meerestiefe. In den bis zu 62 Meter langen Bohrkernen fanden die Forscher Süßwasser, das aus zerfallenem Methanhydrat stammte.

Die weißen Lagen im Sediment sind Methanhydrat. Stabil ist es nur bei kalten Temperaturen und hohem Druck. Foto: MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Universität Bremen; G. Bohrmann

Dieser Zerfallsprozess, so konnte das Team nachweisen, begann bereits vor über 8.000 Jahren. Das Forscherteam um Prof. Klaus Wallmann vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel berichtet im Fachmagazin Nature Communications, dass die Erderwärmung damit ganz offenbar nicht die Ursache für das austretende Methan ist. Aber was ist dann der Grund dafür?

Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, simulierten die Wissenschaftler die Eisver­tei­lung in der Ark­tis seit der letz­ten Eis­zeit, basierend auf ihren Funden vor Ort. Heraus kam, dass der Meeresboden sich ra­scher und stär­ker anho­b, als der Mee­res­spie­gel in der selben Zeit stieg. Der Druck auf die Hy­dra­te ließ dabei nach­ und das Methan gelangte ins Meerwasser.

Also kein Grund zur Sorge?

Dass nicht die Erderwärmung, sondern seit Jahrtausenden andauernde geologische Prozesse für die Methanaustritte verantwortlich sind, ist kein Grund zur Beruhigung. Denn Methan ist als Treibhausgas 25 mal stärker als CO2. Egal ob es durch menschliche Handlungen oder natürliche Prozesse freigesetzt wird – für das Erdklima sind das keine guten Nachrichten.

Auch wenn die Klimawandel die Methanfreisetzung vor Spitzbergen nicht verursacht – ob das auch in anderen Gebieten der Arktis oder in den mittleren Breitengraden zutrifft, können die Forscher nicht sagen. Um das herauszufinden, muss an den betreffenden Orten weiter geforscht werden. Die Crew der Maria S. Merian wird also noch viel zu tun haben.

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