Giftige Chemikalien in der Antarktis

Antarktis, Laubeuf-Fjord, Webb Island
Bild: Vincent van Zeijst [CC BY-SA 3.0] / Wikimedia Commons

Die Antarktis ist mit giftigen Chemikalien kontaminiert. Das berichtet das Wissensmagazin scinexx als Ergebnis einer Untersuchung von Greenpeace.[1]Auch die Antarktis ist kontaminiert. Greenpeace-Expedition weist giftige Chemikalien und Mikroplastik nach. scinexx, 8. Juni 2018. Webcite ID: 702lNnWze Auch wenn die Substanzen wirklich nicht in die Antarktis gehören: Sie sind besorgniserregend und umweltschädigend, aber nicht giftig. Noch nicht einmal der zitierte Greenpeace-Bericht behauptet das.

Wann ist ein Gift ein Gift?

Die Umweltaktivisten fanden im antarktischen Neuschnee verschiedene per- und polyfluorierte alkylierte Substanzen (PFCs) oberhalb der Nachweisgrenze von 0,361 Nanogramm pro Liter. Die am häufigsten gefundene Chemikalie war Perfluoroctansäure (PFOA, C5F15COOH). Deren Konzentrationen lagen bei bis zu 1,84 Nanogramm pro Liter.[2]Ergebnisbericht: Mikroplastik und Chemikalien in der Antarktis. Greenpeace, 7. Juni 2018.

Perfluoroctansäure (PFOA) wird als Tensid, beispielsweise in der Herstellung von Teflon oder beschichtungen für Funktionskleidung, eingesetzt.

PFOA wird beispielsweise zur Herstellung von Polytetrafluorethylen benutzt, besser bekannt als Teflon. Es wird aber auch in wasserabweisenden Beschichtungen für Textilien und Papier oder auch in Feuerlöschern benutzt. Das Problem an PFOA und den meisten per- und polyfluorierten Substanzen ist, dass sie in der Umwelt nicht abgebaut werden und sich in Organismen anreichern.

Für den flächenmäßig größten Umweltskandal in Deutschland sind ebenfalls PFCs verantwortlich: Im Jahr 2013 brachte ein Bauer im baden-württembergischen Rastatt Kompost auf seine Felder aus, der aus kontaminiertem Papierschlamm gebildet wurde. Infolge dessen stellten zwei Wasserwerke in der Region ihren Betrieb ein, auch wenn die zulässigen Grenzwerte nicht überschritten wurden.

Weder gefährlich noch harmlos

Wie geht man also um mit einer Stoffklasse, die zwar nicht wirklich gefährlich ist, aber trotzdem besser nicht in der Umwelt sein sollte? Im Jahr 2017 schlug das niederländische Nationalinstitut für Öffentliche Gesundheit und Umwelt einen Durchschnittsrichtwert von 48 Nanogramm pro Liter Süßwasser als einen Wert vor, der bei lebenslangem Fischkonsum für Tiere und Menschen unbedenklich ist.[3]E. M. J. Verbruggen et al., Water quality standards for PFOA : A proposal in accordance with the methodology of the Water Framework Directive. RIVM Letter report 2017-0044. DOI: 10.21945/RIVM-2017-0044

Dieser Grenzwert ist 24 mal höher als die Mengen, die im antarktischen Schnee nachgewiesen wurden. Besorgniserregend ist es trotzdem, denn weil sich PFOA eben nicht abbaut, werden neue Expeditionen in Zukunft wohl höhere Werte finden.

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Quellen   [ + ]

1. Auch die Antarktis ist kontaminiert. Greenpeace-Expedition weist giftige Chemikalien und Mikroplastik nach. scinexx, 8. Juni 2018. Webcite ID: 702lNnWze
2. Ergebnisbericht: Mikroplastik und Chemikalien in der Antarktis. Greenpeace, 7. Juni 2018.
3. E. M. J. Verbruggen et al., Water quality standards for PFOA : A proposal in accordance with the methodology of the Water Framework Directive. RIVM Letter report 2017-0044. DOI: 10.21945/RIVM-2017-0044

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