Der Hörfunk spart bei Wissenschaft

Bild: Eric Nopanen [Public Domain] / Unsplash

Ende Juni berichtete das Meta-Magazin von einem besorgniserregenden Trend: Der Hörfunk spart an der Wissenschaft. Warum das schlimm ist? Weil es diesen Blog ohne Sendungen wie „Forschung Aktuell“ im Deutschlandfunk wohl nicht geben würde.

Die Krise des Journalismus ist die Krise der Wissenschaft

Als ich 2015 beschloss, auf deutsch über Chemie zu schreiben, waren die Wissenschaftssendungen des Deutschlandfunks mein Vorbild. Genau so wollte ich kurze, verständliche Wissenschaftsmeldungen veröffentlichen, nur eben speziell über Chemie. „Forschung Aktuell“ hat mir gezeigt, dass das funktioniert und dass sich Menschen auch dafür interessieren. Bis heute ist diese Sendung mein Goldstandard.

Dass eine Redaktion nun an ihren freien Mitarbeitern spart, ist natürlich nicht überraschend. Immerhin steckt der Journalismus seit Jahren in der Krise. Dazu kommt, dass Wissenschaftsjournalismus eine Nische ist, ohne die sich ein Programm genauso gut füllen lässt. Für die Gesellschaft und auch für die Wissenschaft ist das schlecht.

Vertrauen braucht Verständnis

Wenn weniger Menschen erfahren, was die Wissenschaft macht und wie sie arbeitet, wird nicht nur weniger Wissen vermittelt: Es erodiert das Verständnis dafür und das Vertrauen darin, was in den Labors dieser Welt getrieben wird. Diese Entwicklung gibt es seit längerem. Sie hat nicht zuletzt dazu geführt, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich Gehör verschafften und für ihre Sache auf die Straße gingen.

Zusätzlich sinkt mit der abnehmenden Berichterstattung über Wissenschaft auch die Chance, junge Menschen für wissenschaftliche Themen zu begeistern. Menschen, die möglicherweise eine Ausbildung im MINT-Bereich ergreifen könnten. Ich gebe es zu, ich bin seit 25 Jahren auf einer Folge des Telekollegs hängen geglieben, in der mir erklärt wurde, was Atome sind, was die machen und dass es eine Wissenschaft namens „Chemie“ gibt, die alles darüber herauszufinden versucht.

Wer macht es sonst?

Eigentlich ist es die Aufgabe der Medien, Inhalte zu vermitteln (deshalb heißen sie ja „Medien“). Wenn diese Aufgabe nicht mehr ausreichend erfüllt wird, übernehmen das eben andere. Wie das aussieht, kann man an den Masernausbrüchen ablesen, die wieder in Deutschland auftreten und Menschenleben kosten. Oder an der Gentechnik-Debatte, die so faktenbefreit ist, dass selbst Mitglieder der Grünen sich inzwischen die Augen reiben.

Aktiv Forschende können neben ihrer ohnehin schon zeit- und kraftaufwändigen Arbeit kaum ernsthaft Wissenschaftskommunikation betreiben. Gleichzeitig ist die Aufgabe der Pressestellen vor allem, der eigenen Institution Aufmerksamkeit beschaffen. Wer vermittelt dann also noch Wissen und Zusammenhänge?

Meine Leserinnen und Leser zeigen mir immer wieder, wie groß der Bedarf tatsächlich ist, dass Wissenschaft erklärt wird. Die einzigen, die sich nicht dafür interessieren, sind mit wenigen Ausnahmen die, die am meisten Ahnung davon haben. Das ist schade. Sehr schade.

Print Friendly, PDF & Email

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.