Löste Fipronil ein historisches Bienensterben aus?

Bild: Damien Tupnier [Public Domain] / Unsplash

Für das Bienensterben wird der massive Einsatz von Pestiziden verantwortlich gemacht, vor allem die sogenannten Neonicotinoide. Das könnte jedoch zu einfach gedacht sein. Ein britisches Forschungsteam wies jetzt nach, dass Fipronil weitaus giftiger auf Bienen wirkt als ein Neonicotinoid, das ein Massensterben von Bienen in den 90er Jahren in Frankreich verursacht haben soll.

Ganze Völker verschwanden

Von 1994 bis 1997 berichteten französische Imkerinnen und Imker, dass ihre Bienenvölker mitten im Sommer, während der Sonnenblumenblüte plötzlich zusammenbrachen. Honigbienen, die von ihrem Bienenstock entfernt waren, verschwanden plötzlich. In anderen Fällen starben die Bienen zu tausenden vor den Stöcken. Begleitumstände des Sterbens waren Zittern, herausgestreckte Zungen und übermaßes Putzen der Fühler. Die Produktion von Sonnenblumenhonig ging zum 30 bis 70 Prozent zurück.[1]L. Maxim und J. P. van der Sluijs, „Expert explanations of honeybee losses in areas of extensive agriculture in France: Gaucho® compared with other supposed causal factors“, Environmental Research Letters 2010 (5:1) 014006. DOI: 10.1088/1748-9326/5/1/014006

Im Jahr 1994, als das Bienensterben begann, wurde ein neues Insektizid zugelassen: Imidacloprid, das zur Gruppe der Neonicotinoide gehört. Seitdem gilt das Gift als Ursache für das Massensterben. Allerdings wurde im Jahr davor, 1993, ein anderes Insektizid zugelassen und ebenfalls großzügig auf Sonnenblumenfeldern eingesetzt: Fipronil. Dieser Stoff erregte zuletzt im Sommer 2017 Aufsehen, als er in Hühnereiern nachgewiesen wurde.

Fipronil als weiterer Verdächtiger

Mit der Frage, wie sich Fipronil überhaupt auf Bienen auswirkt, beschäftigte sich jetzt – 25 Jahre später – eine britische Forschungsgruppe. Das Team um James Cresswell von der University of Exeter verglich die Giftigkeit von Fipronil und Imidocloprid sowie zwei weiteren Pestiziden, Thiamethoxam und Cypermethrin, miteinander.

Mit den erhaltenen Daten simulierten sie die Auswirkungen auf eine Bienenkolonie unter Berücksichtigung von Umwelteinflüssen. Dabei zeigte sich, dass nur Fipronil ein Massensterben auslöste. Um dem weiter auf den Grund zu gehen, untersuchten die Forschenden in Experimenten, ob und wie sich die verschiedenen Giftstoffe im Körper der Bienen anreichern. Das Ergebnis: Nur Fipronil reicherte sich in den Bienen an. Selbst nach sechs Tagen war noch fast die gesamte Fipronilmenge, die zuvor aufgenommen wurde, in den Bienen nachweisbar.

Die Forschungsergebnisse veröffentlichte das Team in der Fachzeitschrift PNAS.[2]P. J. Holder et al., „Fipronil pesticide as a suspect in historical mass mortalities of honey bees“, Proceedings of the National Academy of Sciences 2018 (115:51) 13033–13038. DOI: 10.1073/pnas.1804934115 Darin betonen sie, dass die potenziell schweren Auswirkungen von Fipronil zeigen, dass Pestizide vor ihrem Einsatz in der Landwirtschaft darauf untersucht werden müssen, ob sie sich in Organismen anreichern. Denn auch Substanzen, die nur in Spuren vorkommen, können durch ihre Langzeitwirkung unverhältnismäßig schädlich wirken.

Quellen   [ + ]

1. L. Maxim und J. P. van der Sluijs, „Expert explanations of honeybee losses in areas of extensive agriculture in France: Gaucho® compared with other supposed causal factors“, Environmental Research Letters 2010 (5:1) 014006. DOI: 10.1088/1748-9326/5/1/014006
2. P. J. Holder et al., „Fipronil pesticide as a suspect in historical mass mortalities of honey bees“, Proceedings of the National Academy of Sciences 2018 (115:51) 13033–13038. DOI: 10.1073/pnas.1804934115

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