Was ist eigentlich Myrrhe?

Bild: Edward Burne-Jones: The Star of Bethlehem [Public Domain] / Wikimedia Commons

Ob es nun drei Könige waren, Astronomen oder Magier – der Legende nach brachten sie dem neugeborenen Jesus drei Gaben: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Auch heute ist Gold ein wertvolles Geschenk. Weihrauch kennt man aus Kirchen, Tempeln und anderen spirituellen Orten. Dort wird das Harz wegen seiner milden psychoaktiven Eigenschaften geschätzt. Aber was genau ist Myrrhe?

Heiliger Balsam

Myrrhe ist ein gummiartiges Baumharz. Bild: GeoTrinity [CC BY 3.0] / Wikimedia Commons
Ähnlich wie Weihrauch ist auch Myrrhe ein Baumharz. Hauptsächlich stammt es von Bäumen der Gattung Commiphora myrrha, die in Somalia wachsen und bis zu drei Meter hoch werden. Andere Myrrhe-Arten wachsen in Äthiopien, Südarabien und Südindien.

Das duftende Harz kann wie Weihrauch verbrannt werden. Vor allem aber diente es früher als Parfüm, Aphrodisiakum und zu kultischen Zwecken. Die Ägypter nutzten schon vor 3000 Jahren Myrrhe zur Einbalsamierung von Mumien.

Auch im Judentum wurde es zur Bestattung Verstorbener verwendet, aber auch für kultische Salbungen. So enthält der Balsam, von dem in der Bibel die Rede ist, zu einem Drittel Myrrhe.[1]2. Buch Mose 30, 22–33, Einheitsübersetzung Die rituelle Bedeutung dieses Stoffs zeigt sich auch im lateinischen Wort „Christus“ (hebräisch „Messias“), was „der Gesalbte“ bedeutet.

Heilsame Duftmischung

Wie jedes Baumharz besteht auch Myrrhe vor allem aus ätherischen Ölen, die zur Stoffgruppe der Terpene zählen. Ab 1906 wurden sie erstmals untersucht. Man fand darin unter anderem die Stoffe α-Pinen, Limonen, Cumin-Aldehyd, Zimt-Aldehyd, Eugenol und m-Cresol.[2]L. O. Hanus et al., „Myrrh–Commiphora chemistry“, Biomed. Papers 2005 (149:1), 3–28. PMID: 16170385 Diese dienen auch heute als Duftstoffe in Parfümen oder Kosmetikprodukten. Aber auch Ameisensäure, Essigsäure, Myrrhol-Säure[3]Die chemische Struktur davon ist offenbar unbekannt. und Palmitinsäure wurden in den öligen Bestandteilen des Harzes gefunden.[4]L. O. Hanus et al., „Myrrh–Commiphora chemistry“, Biomed. Papers 2005 (149:1), 3–28. PMID: 16170385

In Myrrhe sind unter anderem die Terpene α-Pinen, Limonen, Cuminaldehyd, Zimtaldehyd, Eugenol, m-Cresol sowie die Triterpenoide Lupenon und α-Amiron enthalten.

Der harzige Rückstand der Myrrhe enthält Triterpenoide wie Lupenon und α-Amyrenon, die pharmakologische Wirkung haben.[5]Lupenone, PubChem Open Chemistry Database, CID: 92158[6]Alpha-Amirone, PubChem Open Chemistry Database, CID: 612828 Vermutlich sind es solche Triterpenoide, die für die Heilwirkung der Myrrhe verantwortlich sind.

Heilmittel mit mäßiger Evidenz

Entsprechend wird das Harz seit mehr als zweitausend Jahren als Heilmittel eingesetzt. Es wirkt entzündungshemmend, desinfizierend, blutstillend und krampflösend.[7]A. J. Fatani et al., „Myrrh attenuates oxidative and inflammatory processes in acetic acid-induced ulcerative colitis“, Experimental and therapeutic medicine 2016 (12) 730–738, DOI: 10.3892/etm.2016.3398 Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankrankheiten (DGVS) gibt in ihrer Leitlinie zur Colitis ulcerosa (eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung) an, dass eine Kombination aus Myrrhe, Kamillenblütenextrakt und Kaffeekohle „komplementär in der remissionserhaltenden Behandlung“ eingesetzt werden kann. Der Evidenzgrad dafür ist jedoch mäßig und eine Empfehlung gibt es nicht.[8]T. Kucharzik et al., „Aktualisierte S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa“, Z Gastroenterol 2018 (56:9) 1087–1169. DOI: 10.1055/a-0651-8174

Myrrhe kann also bei Beschwerden helfen, muss aber nicht. Wie bei vielen alten Mitteln, die eine milde Heilwirkung haben, ist deshalb auch Myrrhe in der Alternativmedizin beliebt. Genau deshalb sollte man sich allerdings nicht darauf verlassen. Denn zu der Zeit, als das Baumharz noch als Medizin galt, wurden die Menschen nicht besonders alt.

Quellen   [ + ]

1. 2. Buch Mose 30, 22–33, Einheitsübersetzung
2, 4. L. O. Hanus et al., „Myrrh–Commiphora chemistry“, Biomed. Papers 2005 (149:1), 3–28. PMID: 16170385
3. Die chemische Struktur davon ist offenbar unbekannt.
5. Lupenone, PubChem Open Chemistry Database, CID: 92158
6. Alpha-Amirone, PubChem Open Chemistry Database, CID: 612828
7. A. J. Fatani et al., „Myrrh attenuates oxidative and inflammatory processes in acetic acid-induced ulcerative colitis“, Experimental and therapeutic medicine 2016 (12) 730–738, DOI: 10.3892/etm.2016.3398
8. T. Kucharzik et al., „Aktualisierte S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa“, Z Gastroenterol 2018 (56:9) 1087–1169. DOI: 10.1055/a-0651-8174

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